Aṅguttara Nikāya
Das Elfer-Buch
13. Nandiya
Einst weilte der Erhabene im Lande der Sakyer, im Feigenbaumkloster, bei Kapilavatthu. Damals nun beabsichtigte der Erhabene, die Regenzeit in Sāvatthī anzutreten. Dies hörte Nandiya, der Sakyer, und er sagte sich „So will auch ich die Regenzeit in Sāvatthī verbringen und dort meine Geschäfte betreiben! Dann kann ich den Erhabenen von Zeit zu Zeit besuchen.“ Und der Erhabene trat in Sāvatthī die Regenzeit an; und auch Nandiya, der Sakyer, nahm dort während der Regenzeit seinen Aufenthalt. Dort ging er seinen Geschäften nach und konnte dabei von Zeit zu Zeit den Erhabenen aufsuchen.
Zu jener Zeit aber waren zahlreiche Mönche damit beschäftigt, für den Erhabenen Gewänder anzufertigen; denn, wenn die Gewänder fertig waren, wollte sich der Erhabene, nach Ablauf der drei Regenmonate, auf die Wanderung begeben. Das erfuhr der Sakyer Nandiya und begab sich zum Erhabenen. Dort angelangt, begrüßte er den Erhabenen ehrfurchtsvoll und setzte sich zur Seite nieder. Seitwärts sitzend, sprach er zum Erhabenen also:
„Erfahren habe ich, o Herr, daß zahlreiche Mönche damit beschäftigt sind, für den Erhabenen die Gewänder anzufertigen, und daß der Erhabene, wenn die Gewänder fertig sind, nach Ablauf der drei Regenmonate, sich auf die Wanderung begeben will. Die wir, o Herr, uns mit vielerlei Dingen beschäftigen, welche Beschäftigung ziemt sich wohl für uns?“
„Recht so, recht so, Nandiya! Gut steht es euch edlen Söhnen an, daß ihr zum Vollendeten kommt und ihn darüber befragt.
- Der Vertrauensvolle, Nandiya, ist erfolgreich, nicht der Vertrauenslose;
- der Sittenreine ist erfolgreich, nicht der Sittenlose;
- der Willensstarke ist erfolgreich, nicht der Träge;
- der Achtsame ist erfolgreich, nicht der Unachtsame;
- der Gesammelte ist erfolgreich, nicht der Ungesammelte;
- der Weise ist erfolgreich, nicht der Unweise.
Sobald du aber, Nandiya, in den sechs Eigenschaften gefestigt bist, magst du noch bei fünf Dingen die Achtsamkeit innerlich gegenwärtig halten.
Da magst du, Nandiya,
- des Vollendeten gedenken
- der Lehre gedenken
- der edlen Freunde gedenken:
‚Heil mir! Gut habe ich es getroffen, daß ich so edle Freunde habe, Anteil nehmende, mein Heil wünschende Unterweiser und Berater!‘ So magst du, Nandiya, angesichts der edlen Freunde innerlich die Achtsamkeit gegenwärtig halten.
Ferner magst du, Nandiya,
- der eigenen Freigebigkeit gedenken
- magst du der Gottheiten gedenken:
‚Jene Gottheiten, die, jenseits der Gemeinschaft der von grobstofflicher Nahrung lebenden Gottheiten, in einer geistgezeugten Welt wiedererschienen sind, jene sehen nichts mehr, was sie noch zu erfüllen oder, was erfüllt, sie noch zu mehren hätten; genauso wie der dauernd-befreite Mönch nichts mehr sieht, was er noch zu vollbringen oder dem Vollbrachten hinzuzufügen hätte. So magst du, Nandiya, angesichts der Gottheiten innerlich die Achtsamkeit gegenwärtig halten.
Ausgestattet mit diesen elf Eigenschaften, o Nandiya, überwindet gewißlich der edle Jünger die üblen, unheilsamen Dinge und haftet nicht mehr an ihnen. Gleichwie, Nandiya, bei einem umgestülpten Topf das einmal sich ergießende Wasser nicht mehr zurückfließt; oder gleichwie das auf einem trockenen Grasplatze ausgebrochene Feuer brennend vorwärts treibt und zum Verbrannten nicht mehr zurückkehrt: ebenso auch, Nandiya, überwindet gewißlich der edle Jünger die üblen, unheilsamen Dinge und haftet nicht mehr an ihnen.“