Aṅguttara Nikāya

Das Fünfer-Buch

58. Segensreiches Schenken

Einst weilte der Erhabene im Großen Walde bei Vesālī, in der Halle des Giebelhauses. Und der Erhabene kleidete sich in der Frühe an, nahm Gewand und Almosenschale und begab sich nach Vesālī um Almosenspeise. Nach dem Almosengang aber, am Nachmittag, nach Beendigung des Mahles, ging er tief in den Großen Wald hinein und setzte sich am Fuße eines Baumes nieder, um dort den Tag zu verbringen. Eine Anzahl Licchavier-Prinzen aber, die damals gerade, mit bespannten Bogen ausgerüstet und von einer Schar Hunde umgeben, im Großen Walde umherstreiften, sahen den Erhabenen am Fuße des Baumes sitzen. Bei seinem Anblick legten sie die bespannten Bogen weg, trieben die Hunde beiseite und näherten sich dem Erhabenen. Vor ihm angelangt, begrüßten sie den Erhabenen ehrerbietig und setzten sich still und schweigsam, mit verehrend gefalteten Händen nieder. Damals nun erging sich Mahānāma der Licchavier im Großen Walde, und er bemerkte jene Licchavier-Prinzen, wie sie still und schweigend, mit gefalteten Händen zur Seite des Erhabenen dasaßen. Bei ihrem Anblick näherte er sich dem Erhabenen, begrüßte ihn ehrerbietig und setzte sich zur Seite nieder. Seitwärts sitzend aber stieß Mahānāma der Licchavier den Ruf aus: „Sie werden doch noch rechte Vajjier werden! Sie werden doch noch rechte Vajjier werden !“

(Der Erhabene:) „Warum, o Mahānāma, sprichst du so: ‚Sie werden doch noch rechte Vajjier werden‘.“

„Diese Licchavier-Prinzen, o Herr, sind wild und rauh und störrig. Was da in ihre Häuser an Süßigkeiten geschickt wird, wie Zuckerrohr, Brustbeeren, Kuchen und Zuckerwerk, das nehmen sich diese weg, essen davon und bewerfen dann von hinten die anständigen Frauen und Mädchen damit. Nun aber sitzen jene still und schweigsam vor dem Erhabenen, mit gefalteten Händen!“

„Sei es, Mahānāma, ein gesalbter Adelskönig oder ein Bürger, der von seines Vaters Erbe lebt, oder ein Feldherr, ein Dorfherr, ein Gildenvorsteher oder einer, der in den Sippen die alleinige Leitung innehat; bei welchem edlen Sohn auch immer fünf Dinge anzutreffen sind, da hat man Segen zu erwarten, keinen Nachteil. Welches sind diese fünf Dinge?

Mit dem Besitz, Mahānāma, den der edle Sohn durch Aufbietung seiner Kraft erworben, durch seiner Hände Fleiß, im Schweiße seines Angesichtes, auf rechtmäßige, ehrliche Weise, damit beschenkt er seine Eltern, und er achtet und ehrt sie, ist ihnen ergeben. Von ihm aber beschenkt, geachtet, geehrt und hochgehalten, spenden ihm diese mit ihm gewogenen Herzen ihren Segen: ‚Mögest du lange leben! Möge dir ein langes Leben beschieden sein!‘ Von ihnen aber gesegnet, hat der edle Sohn Segen zu erwarten, keinen Nachteil.

Ferner, Mahānāma: da beschenkt der edle Sohn mit seinem Besitz Weib und Kind, Knechte und Arbeiter—er beschenkt die Nachbarn seines Feldes und seiner Arbeitsstätte, sowie die Feldmesser—er spendet für die Opfer empfangenden Gottheiten—er beschenkt Asketen und Priester, er achtet, ehrt sie, ist ihnen ergeben. Von ihm aber beschenkt, geachtet, geehrt und hochgehalten, spenden ihm alle diese mit ihm gewogenen Herzen ihren Segen: ‚Mögest du lange leben! Möge dir ein langes Leben beschieden sein!‘ Von ihnen aber gesegnet, hat der edle Sohn Segen zu erwarten, keinen Nachteil.

„Arbeit verrichtend für die Eltern
und liebevoll zu Weib und Kind,
gereicht zum Segen er dem Haushalt
und denen, die ihm anvertraut.

Den beiden wirkt zum Wohle er,
der Sittenreine, großmutsvoll:
den einst verstorbenen Verwandten
und denen, die am Leben sind.

Den Mönchen und den Priestern auch,
ja, gar den Himmelswesen selbst
mache Freude der verständige Mann,
der tugendhaft im Hause lebt.

Indem er gute Werke wirkt,
wird Lob und Ehre ihm zuteil.
Hier spenden alle ihm ihr Lob
und dort erlangt er Himmelsglück.“