Aṅguttara Nikāya

Das Zweier-Buch

38. Rang der Gereiften und Rang der Unreifen

Einst weilte der ehrwürdige Mahā-Kaccāna bei Madhura, im Gundā-Walde. Da nun begab sich Kandarāyana, der Brahmane, dorthin, wo der ehrwürdige Mahā-Kaccāna weilte. Dort angelangt, wechselte er mit dem ehrwürdigen Mahā-Kaccāna höflichen Gruß, und nach Austausch freundlicher und zuvorkommender Worte setzte er sich zur Seite nieder.

Zur Seite sitzend, sprach nun Kandarāyana, der Brahmane, zum ehrwürdigen Mahā-Kaccāna also:

„Gehört habe ich, Herr Kaccāna, daß der Asket Kaccāna alten, ergrauten, angesehenen, hochbejahrten, im Alter gereiften Brahmanen weder seinen Gruß entbietet, noch sich vor ihnen erhebt, noch ihnen einen Sitz anbietet. Dies, Herr Kaccāna, verhält sich tatsächlich so; denn nicht entbietet ja der Herr Kaccāna alten, ergrauten, angesehenen, hochbejahrten, im Alter gereiften Brahmanen seinen Gruß, nicht erhebt er sich vor ihnen, noch bietet er ihnen einen Sitz an. Das aber, Herr Kaccāna, ist nicht recht.“

„Es wurde, Brahmane, von ihm, dem Erhabenen, dem Kenner, dem Seher, dem Heiligen, vollkommen Erwachten der Rang der Gereiften dargetan und der Rang der Unreifen. Selbst wenn einer alt ist, o Brahmane, von seiner Geburt ab achtzig, neunzig oder hundert Jahre zählt, dabei aber die Sinnenfreuden genießt, in Begierden lebt, vor Begierdefieber brennt, von begehrlichen Gedanken verzehrt wird und voll Eifer nach Genüssen sucht, so rechnet er eben als ein kindlicher Tor und nicht als ein Älterer. Und selbst wenn einer noch jung ist, o Brahmane, ein Jüngling mit schwarzem Haar, im Besitze seiner besten Jugend, im ersten Mannesalter, dabei aber die Sinnenfreuden nicht genießt, nicht in Begierden lebt, nicht vor Begierdefieber brennt, nicht von begehrlichen Gedanken verzehrt wird und nicht voll Eifer nach Genüssen sucht, so gilt er eben als ein Weiser und Älterer.“

Nach diesen Worten stand Kandarāyana, der Brahmane, von seinem Sitze auf, schlug das Gewand über eine Schulter, berührte in Verehrung mit seinem Haupte die Füße der noch ganz jungen Mönche und sprach:

„Gereift sind die Herren, stehen im Rang der Gereiften; unreif aber sind wir, stehen im Rang der Unreifen. Vortrefflich, Herr Kaccāna! vortrefflich, Herr Kaccāna!... Als Anhänger möge mich der Herr Kaccāna betrachten, als einen, der von heute ab zeitlebens Zuflucht genommen hat.