Aṅguttara Nikāya

Das Fünfer-Buch

195. Der Brahmane Pingiyāni

Einst weilte der Erhabene im Großen Walde bei Vesali, in der Halle des Giebelhauses. Damals aber waren gerade fünfhundert Licchavier um den Erhabenen versammelt. Einige der Licchavier erstrahlten in Blau, in blauer Farbe, blauer Tracht, blauem Schmucke, einige in Gelb, einige in Rot, einige in Weiß. Doch der Erhabene über strahlte sie alle an Schönheit und Würde. Da erhob sich der Brahmane Pingiyāni von seinem Sitze, warf das Obergewand über eine Schulter; und, indem er seine gefalteten Hände zum Erhabenen emporhob, sprach er:

„Es steigt mir ein Gedanke auf, Erhabener! Es steigt mir eine Gedanke auf, Gesegneter!“

„Mögest du ihn aussprechen, Pingiyāni!“ erwiderte der Erhabene. Und der Brahmane Pingiyāni pries den Erhabenen in folgenden treffenden Versen:

„Dem roten Lotus gleich, dem düfteschwangeren,
aus dem am frühen Tag der Blüten Duft entströmt,
sieh‘ leuchten hier Angīrasa, den hohen Seher,
der Sonne gleich am Himmelszelt erstrahlend!“

Und jene Licchavier beschenkten den Brahmanen Pingiyāni mit fünfhundert Obergewändern. Der Brahmane Pingiyāni aber beschenkte mit diesen fünfhundert Obergewändern den Erhabenen. Und der Erhabene sprach zu jenen Licchaviern:

„Fünf Ideale, ihr Licchavier, finden sich selten in der Welt. Welche fünf?

  • Selten zeigt sich in der Welt ein Verkünder der vom Vollendeten gewiesenen Lehre und Zucht.
  • Selten zeigt sich einer in der Welt, der bei der Verkündigung der vom Vollendeten gewiesenen Lehre und Zucht Verständnis erlangt.
  • Selten zeigt sich einer in der Welt, der, die Verkündigung der vom Vollendeten gewiesenen Lehre und Zucht verstehend, im Sinne der Lehre lebt.
  • Selten findet sich in der Welt ein dankbarer, erkenntlicher Mensch.

Diese fünf Ideale, ihr Licchavier, finden sich selten in der Welt.“ (Wie in AN 5.143)