Die Fragen des Königs Milinda
Teil 7
Kapitel 3
7.4.6. Der Himmelsraum
„Fünf Eigenschaften des Himmelsraumes, sagst du, ehrwürdiger Nāgasena, habe man anzunehmen: welches sind diese?“
„Gleichwie, o König, der Himmelsraum gänzlich unberührbar ist: so auch soll der Yogi, der Yogabeflissene, für die Leidenschaften gänzlich unberührbar sein. Das, o König, ist die erste Eigenschaft des Himmelsraumes, die er anzunehmen hat.
Wie ferner, o König, der Himmelsraum von zahlreichen Sehern und Asketen, von Gespenstern und von Vögeln durchzogen wird: so auch soll der Yogi, der Yogabeflissene, seinen Geist die sämtlichen Gebilde, sie als vergänglich, leidvoll und wunschlos betrachtend, durchwandern lassen. Das, o König, ist die zweite Eigenschaft des Himmelsraume die er anzunehmen hat.
Wie ferner, o König, der Himmelsraum leicht Schrecken einflößt: so auch soll der Yogi, der Yogabeflissene, seinen Geist Schrecken empfinden lassen vor jeglichem Dasein und Wiedergeborenwerden und soll keinen Genuß mehr daran empfinden. Das, o König, ist die dritte Eigenschaft des Himmelsraumes, die er anzunehmen hat.
Wie ferner, o König, der Himmelsraum unendlich, grenzenlos, unermeßlich ist: so auch soll der Yogi, der Yogabeflissene, unbegrenzt sein in Sittlichkeit und unermeßlich in Erkenntnis. Das, o König, ist die vierte Eigenschaft des Himmelsraumes, die er anzunehmen hat.
Wie ferner, o König, der Himmelsraum nirgends haftet und anhängt, ungestützt ist, ungehemmt: so auch soll der Yogi, der Yogabeflissene, hinsichtlich der Familien, der Mönchsgemeinde, des Wohnortes, der Hindernisse, der Bedarfsgegenstände und hinsichtlich all der Leidenschaften allseits frei sein vom Haften und Hängen, ohne Stütze und ungehemmt. Das, o König, ist die fünfte Eigenschaft des Himmelsraumes, die er anzunehmen hat. Auch der Erhabene, o König, der Gott der Götter, hat, indem er seinen Sohn Rāhula ermahnte, gesagt: ‚Gleichwie, Rāhula, der Himmelsraum nirgendwo eine Stütze hat: so auch, Rāhula, sollst du, dem Himmelsraum gleichend, Geistesentfaltung üben; denn, wenn du, Rāhula, dem Himmelsraum gleichend, Geistesentfaltung übst, so werden die immer und immer wieder aufsteigenden angenehmen und unangenehmen Sinneseindrücke dein Herz nicht mehr gefesselt halten.‘“