Aṅguttara Nikāya

Das Zehner-Buch

84. Höchstes Wissen vorgeben

Der ehrwürdige Mahā-Moggallāna sprach zu den Mönchen:

„Da, ihr Brüder, gibt ein Mönch Höchstes Wissen vor, indem er spricht: ‚Aufgehoben ist die Wiedergeburt, erfüllt der Heilige Wandel, getan ist, was zu tun war, nichts weiteres gibt es mehr nach diesem hier: so weiß ich.‘ Der Vollendete aber oder ein sich vertiefender Jünger des Vollendeten, der vertraut ist mit den geistigen Errungenschaften, vertraut mit dem Geiste der anderen, vertraut mit den Geistesvorgängen der anderen, nimmt sich ihn vor, befragt ihn, forscht ihn aus. Von ihm aber vorgenommen, befragt und ausgeforscht, wird er verlegen und befangen, bedrückt und niedergeschlagen. Das Herz jenes Mönches geistig durchschauend, denkt nun der Vollendete oder ein Jünger des Vollendeten darüber nach, warum wohl dieser Verehrte Höchstes Wissen vorgibt. Und dessen Herz geistig durchschauend, erkennt er:

Voll Zorn, wahrlich, ist dieser Verehrte; zornbesessenen Geistes weilt er häufig. Vom Zorne besessen sein, gilt in der vom Vollendeten verkündeten Lehre und Zucht als ein Rückschritt. Voll Wut-Verkleinerungssucht-Herrschsucht-Neid-Geiz-Falschheit-Gleisnerei—voll üblen Ehrgeizes ist dieser Verehrte, mit einem Geiste besessen von üblem Ehrgeiz weilt er häufig. Von üblem Ehrgeiz aber besessen sein, gilt in der vom Vollendeten verkündeten Lehre und Zucht als ein Rückschritt. Ohne Achtsamkeit ist dieser Verehrte: Wo es noch Höheres zu tun gab, hat er, um einen ganz gemeinen Vorteil zu erlangen, auf halbem Wege Halt gemacht. Auf halbem Wege aber Halt machen, gilt in der vom Vollendeten verkündeten Lehre und Zucht als ein Rückschritt.

Daß da ein Mönch, ihr Brüder, ohne diese zehn Dinge überwunden zu haben, in dieser Lehre und Zucht Fortschritt, Entfaltung und Größe erzielen kann, das ist nicht möglich. Wohl aber ist es möglich, daß ein Mönch, der diese zehn Dinge überwunden hat, in dieser Lehre und Zucht Fortschritt, Entfaltung und Größe erzielt.“