Aṅguttara Nikāya
Das Dreier-Buch
74. Der Weg zur Leidensvernichtung
Einst weilte der ehrwürdige Ānanda im Großen Walde bei Vesālī, in der Halle des Giebelhauses. Da begaben sich der Licchaver Abhaya und der Licchaver Pandita-Kumāraka dorthin, wo der ehrwürdige Ānanda weilte. Dort angelangt, begrüßten sie den ehrwürdigen Ānanda ehrerbietig und setzten sich zur Seite nieder. Seitwärts sitzend, sprach Abhaya, der Licchaver, zum ehrwürdigen Ānanda also:
„Der freie Asket Nāthaputta, o Herr, ist allwissend, bekennt einen unbeschränkten Erkenntnisblick, und zwar derart: ‚Ob ich gehe oder stehe, schlafe oder wache, allzeit, immerdar habe ich den Erkenntnisblick gegenwärtig.‘ Durch Abtötung lehrt er die Vernichtung der früheren Taten, durch das Nichttun neuer Taten, das Abbrechen der Brücke. So kommt durch Vernichtung der Taten die Vernichtung des Leidens zustande, durch Vernichtung des Leidens die Vernichtung des Gefühls, und mit der Vernichtung des Gefühls wird alles Leiden versiegt sein. So findet durch diese sichtbare, zur Versiegung führende Läuterung die Überwindung statt. Was aber, o Herr, hat der Erhabene hierüber gelehrt?“
„Folgende drei zur Versiegung führende Läuterungen, Abhaya, wurden von ihm, dem Erhabenen, dem Kenner, dem Seher, dem Heiligen, vollkommen Erleuchteten, recht dargetan zur Läuterung der Wesen, zur Überwindung von Sorge und Klage, zur Beendung von Leiden und Kummer, zur Gewinnung des rechten Pfades, zur Verwirklichung des Nibbāna. Welche drei Läuterungen?
Da ist ein Mönch sittenrein, er befolgt die Ordenssatzung, ist vollkommen im Wandel und Umgang, und vor den geringsten Vergehen zurückschreckend, übt er sich in der Befolgung der Ordensregeln. Keine neue Tat begeht er, und die alte Tat macht er, wenn immer ihn ihre Wirkung trifft, zunichte. Dies ist die klar sichtbare Versiegung, die unmittelbar wirksam ist, einladend, zum Ziele führend, jedem Verständigen verständlich.
Ist dann der Mönch so vollkommen in Sittlichkeit, so gewinnt er, ganz abgeschieden von den Sinnendingen... die erste Vertiefung... die zweite Vertiefung... die dritte Vertiefung... die vierte Vertiefung und weilt in ihr. Keine neue Tat begeht er, und die alte Tat macht er, wenn immer ihn ihre Wirkung trifft, zunichte. Dies ist die klar sichtbare Versiegung, die unmittelbar wirksam ist, einladend, zum Ziele führend, jedem Verständigen verständlich.
Ist der Mönch so vollkommen in Sittlichkeit, so vollkommen in Sammlung, so gelangt er durch Versiegung der Triebe noch bei Lebzeiten in den Besitz der triebfreien Gemütserlösung und Weisheitserlösung, sie selber erkennend und verwirklichend. Keine neue Tat begeht er, und die alte Tat macht er, wenn immer ihn ihre Wirkung trifft, zunichte. Dies ist die klar sichtbare Versiegung, die unmittelbar wirksam ist, einladend, zum Ziele führend, jedem Verständigen verständlich.
Diese drei zur Versiegung führenden Läuterungen, o Abhaya, wurden von ihm, dem Erhabenen, dem Kenner, dem Seher, dem Heiligen, vollkommen Erleuchteten recht dargetan zur Läuterung der Wesen, zur Überwindung von Sorge und Klage, zur Beendung von Leiden und Kummer, zur Gewinnung des rechten Pfades, zur Verwirklichung des Nibbāna.“
Auf diese Worte sprach der Licchaver Pandita-Kumāraka zu Abhaya, dem Licchaver, also: „Warum, lieber Abhaya, erkennst du denn nicht die wohlgesprochene Rede des ehrwürdigen Ānanda als wohlgesprochen an?“
„Wie sollte ich denn nicht die wohlgesprochene Rede des ehrwürdigen Ānanda als wohlgesprochen anerkennen? Das Haupt möchte dem in Stücke zerspringen, der des ehrwürdigen Ānanda wohlgesprochene Rede nicht als wohlgesprochen anerkennt!“