Aṅguttara Nikāya

Das Vierer-Buch

190. Fasttag

Einstmals weilte der Erhabene im Ostkloster bei Sāvatthi, in der Halle der Mutter Migāras. Zu jener Zeit nun, es war an einem Uposatha-Tage, da saß der Erhabene inmitten der Jüngerschar. Und der Erhabene, über die lautlose, schweigende Jüngerschar blickend, wandte sich an die Mönche und sprach:

„Schweigsam, ihr Mönche, ist diese Jüngerschar; lautlos, ihr Mönche, ist diese Jüngerschar, lauter, gefestigt im Echten (sāre patitthitā; im Kernhaften, im Wesentlichen, im wahren Gehalt der Lehre). Solcherart, ihr Mönche, ist diese Mönchsversammlung, solcherart ist diese Jüngerschar, wie man sie selten zu sehen bekommt in der Welt. Solcherart, ihr Mönche, ist diese Mönchsversammlung, solcherart ist diese Jüngerschar, daß sie würdig ist der Opfer, würdig der Gastspende, würdig der Gaben, würdig des ehrfurchtsvollen Grußes, der beste Boden in der Welt für gute Werke. Solcherart, ihr Mönche, ist diese Mönchsversammlung, solcherart ist diese Jüngerschar, daß bei ihr selbst eine kleine Gabe groß ist, eine große Gabe aber noch größer. Solcherart, ihr Mönche, ist diese Mönchsversammlung, solcherart ist diese Jüngerschar, daß es wert ist, mit Reisezehrung versehen, selbst etliche Tagesmärsche zurückzulegen, um sie zu sehen. Solcherart, ihr Mönche, ist diese Mönchsversammlung.

Es gibt Mönche in dieser Mönchsversammlung, die als Himmelswesen verweilen. Es gibt Mönche in dieser Mönchsversammlung, die als Brahma-Götter verweilen. Es gibt Mönche in dieser Mönchsversammlung, die in Reglosigkeit verweilen. Es gibt Mönche in dieser Mönchsversammlung, die als Heilige verweilen.

Wie aber, ihr Mönche, verweilt ein Mönch als Himmelswesen ? Da gewinnt der Mönch, ganz abgeschieden von den Sinnendingen, abgeschieden von unheilsamen Geisteszuständen, die mit Gedankenfassen und Überlegen verbundene, in der Abgeschiedenheit geborene, von Verzückung und Glücksgefühl erfüllte erste Vertiefung und weilt in ihr. Nach Stillung von Gedankenfassen und Überlegen gewinnt er den inneren Frieden, die Einheit des Geistes, die von Gedankenfassen und Überlegen freie, in der Sammlung geborene, von Verzückung und Glücksgefühl erfüllte zweite Vertiefung und verweilt in ihr. Nach Loslösung von der Verzückung weilt er gleichmütig, achtsam, klar bewußt, und ein Glücksgefühl empfindet er in seinem Inneren, von dem die Edlen künden: ‚Der Gleichmütige, Achtsame weilt beglückt‘; so gewinnt er die dritte Vertiefung und weilt in ihr. Nach dem Schwinden von Wohlgefühl und Schmerz und dem schon früheren Erlöschen von Frohsinn und Trübsinn, gewinnt er die leidlos-freudlose, in der völligen Reinheit von Gleichmut und Achtsamkeit bestehende vierte Vertiefung und weilt in ihr. So, ihr Mönche, verweilt ein Mönch als Himmelswesen.

Wie aber, ihr Mönche, verweilt ein Mönch als eine Brahma-Gottheit ? Da durchdringt ein Mönch mit einem von Güte, von Mitleid, von Mitfreude und von Gleichmut erfüllten Geiste die eine Himmelsrichtung, ebenso die zweite, ebenso die dritte, ebenso die vierte. So durchdringt er oben, unten, quer inmitten, allerwärts, in allem sich wiedererkennend, die ganze Welt mit einem von Güte, Mitleid, Mitfreude oder Gleichmut erfüllten Geiste, einem weiten, umfassenden, unermeßlichen, von Haß und Übelwollen befreiten. So, ihr Mönche, verweilt ein Mönch als eine Brahma-Gottheit.

Wie aber, ihr Mönche, verweilt ein Mönch in Reglosigkeit ? Da gewinnt ein Mönch durch völlige Aufhebung der Körperlichkeits-Wahrnehmungen, durch das Schwinden der Rückwirk-Wahrnehmungen, durch das Nichtbeachten der Vielheits-Wahrnehmungen, in der Vorstellung ‚Unendlich ist der Raum‘, das Gebiet der Raumunendlichkeit und weilt darin. Durch völlige Überwindung des Raumunendlichkeit-Gebietes gewinnt er dann, in der Vorstellung ‚Unendlich ist das Bewußtsein‘, das Gebiet der Bewußtseinsunendlichkeit und weilt darin. Durch völlige Überwindung des Bewußtseinsunendlichkeits-Gebietes aber gewinnt er, in der Vorstellung ‚Nichts ist da‘, das Gebiet der Nichtsheit und weilt darin. Durch völlige Überwindung des Gebiets der Nichtsheit aber gewinnt er das Gebiet von Weder-Wahrnehmung-noch-Nichtwahrnehmung und weilt darin. So, ihr Mönche, verweilt der Mönch in Reglosigkeit.

Wie aber, ihr Mönche, verweilt ein Mönch als Heiliger? Da versteht ein Mönch der Wirklichkeit gemäß: ‚Dies ist das Leiden‘; versteht der Wirklichkeit gemäß: ‚Dies ist die Entstehung des Leidens‘; versteht der Wirklichkeit gemäß: ‚Dies ist die Erlöschung des Leidens‘; versteht der Wirklichkeit gemäß: ‚Dies ist der zur Erlöschung des Leidens führende Pfad‘. So, ihr Mönche, verweilt ein Mönch als Heiliger.