Sutta Nipāta 1.11

Enthüllung des Körpers (Kayavicchandanika-Sutta oder Vijaya-Sutta)

Ob man beim Gehen oder Stehen, Sitzen oder Liegen,
Beim Beugen, Strecken seine Glieder regt,
Die Regung eines Körpers ist dies nur!

Gefügt aus Knochen und aus Sehnen,
darauf geklebt dann die Gewebehaut und Fleisch,—
Den Körper, durch die Außenhaut verhüllt,
man sieht ihn nicht, so wie er wirklich ist.

Gefüllt ist er mit Eingeweiden, mit Magen, Leber und der Blase;
Gefüllt mit Herz und Lunge, Nieren und der Milz.

Mit Nasenschleim und Speichel, Schweiß und Fett,
Mit Blut, Gelenköl, Galle, Lymphe ist er voll.

In Rinnsal neunfach fließt aus ihm beständig Unrat:
Vom Auge sickert Augensaft, vom Ohre kommt das Ohrenschmalz;

Es träufelt aus der Nase Rotz, vom Mund auch manchmal bricht man aus;
Man sondert Galle aus und Schleim, vom Körper rinnt der schmutzige Schweiß;

Und seines Schädels Höhlung birgt die Masse des Gehirns.
Dies alles hält für schön der Tor! Unwissen ist es, dem er darin folgt!

Und wenn er dann als Leichnam daliegt, mit aufgequollenem Leibe und verfärbt,
Zur Leichenstätte fortgeschafft, nicht kümmert sich um ihn Verwandtschaft.

Es fressen an ihm Hunde und Schakale, die Wölfe und die vielen Würmer;
Die Raben fressen und die Geier und andere Lebewesen auch.

Doch wenn hier des Erwachten Wort ein weiser Mönch vernommen hat,
Durchaus versteht er diesen Leib, er sieht ihn, wie er wirklich ist.

Wie dieses, so ist jenes auch; wie jenes, so ist dieses hier!
So wissend löst man ab den Willen vom Körper eigen oder fremd.

Der weise Mönch, von jeder Gier des Willens hier entsüchtet
Todlosen Frieden hat er dann erreicht, die Stätte des Nibbāna unvergänglich!

Dies auf zwei Beinen hier, man pflegt's, das unrein ist und übel duftend,
Mit vieler Fäulnis angefüllt, die ausfließt hier und ausströmt dort!

Mit solchem Körper glaubt man's auch noch recht, sich selber zu erhöhen
Und andere zu verachten! Was kann dies anderes sein als Unverstand?