Sutta Nipāta 1.10

Ālavaka (Ālavaka-Sutta)

So habe ich gehört. Einst weilte der Erhabene in Ālavi, in der Wohnstätte des Dämons Ālavaka. Es begab sich da der Dämon Ālavaka zum Erhabenen und sprach zu ihm: „Komm heraus, Asket!“—„Gut, Freund“, sagte der Erhabene und kam heraus. „Geh hinein, Asket!“—„Gut, Freund“, sagte der Erhabene und ging hinein. Und ein zweites und drittes Mal sprach der Dämon: „Komm heraus, Asket!“—„Gut, Freund“, sagte der Erhabene und kam heraus. „Geh hinein, Asket!“—„Gut, Freund“, sagte der Erhabene und ging hinein. Und ein viertes Mal sprach der Dämon: „Komm heraus, Asket!“—„Nicht werde ich mehr zu dir herauskommen, Freund! Du tue, was du magst!“—„Ich will dir eine Frage stellen, Asket. Wenn du sie mir nicht beantworten kannst, werde ich dir den Geist verwirren oder dir das Herz spalten oder dich an den Füßen packen und über den Ganges schleudern!“ „Ich sehe wohl keinen, Freund, in der Welt mit ihren himmlischen Geistern, mit ihren Māra- und Brahma-Göttern, mit ihren Scharen von Asketen und Brahmanen, Göttern und Menschen, der mir den Geist verwirren könnte, mein Herz spalten oder mich an den Füßen packen und über den Ganges schleudern könnte. Doch frage, Freund, was du begehrst!“

Da redete der Dämon Ālavaka den Erhabenen mit diesem Verse an:

ĀLAVAKA

Was ist der kostbarste Besitz des Menschen?
Was, wenn es recht vollbracht, führt ihn zum Glück?
Was gilt wohl als der süßeste Geschmack?
Welch Leben nennt man hier das beste?

DER ERHABENE

Vertrauen ist der kostbarste Besitz des Menschen.
Die Lehre, recht vollbracht, führt ihn zum Glück.
Die Wahrheit, wahrlich, ist der süßeste Geschmack.
In Weisheit leben, nennt man bestes Leben.

ĀLAVAKA

Wie mag man kreuzen diese Flut?
Wie kreuzt man wohl den Ozean?
Wie überwindet man das Leid,
und wie wird ganz geläutert man?

DER ERHABENE

Durch das Vertrauen kreuzt man diese Flut,
durch Unermüdlichkeit den Ozean.
Durch Tatkraft überwindet man das Leid,
durch Weisheit wird geläutert man.

ĀLAVAKA

Die Weisheit, wie gewinnt man sie?
Und wie mag man wohl Reichtum finden?
Wie ist es, daß man Ruhm erlangt?
Und wie verbindet man sich Freunde?
Ist man von dieser Welt zu anderer Welt gegangen,
wie bleibt man dort von Kummer frei?

DER ERHABENE

Der Lehre Heiliger vertrauend,
die zur Erreichung des Nibbāna führt,
Gut auf sie lauschend, wird dem Weisheit,
der unermüdlich seinen Scharfsinn schult.

Umsichtig handelnd, pflichtbewußt, entschlossen,
so findet sicherlich man Reichtum.
Wahrhaftigkeit, durch sie erlangt man Ruhm.
Indem man gibt, verbindet man sich Freunde.

Vertrauensvoller Hausner, dem vier Dinge eignen:
Wahrhaftigkeit und Rechtssinn,
Festigkeit und Gebefreude,
Er wird, dahingegangen, keinen Kummer kennen.

Auch andere magst fragen du, die vielen Priester und Asketen,
Ob Besseres als Selbstzucht und Wahrhaftigkeit,
als Gebefreude und Geduld man finden kann!

ĀLAVAKA

Warum sollt' ich wohl fragen jetzt die vielen Priester und Asketen?
Ich habe heut' es ja erfahren, worin das künftige Heil besteht!

Zu meinem Heile, wahrlich, ist der Buddha zum Aufenthalt nach Ālavi gekommen!
Ich habe heut' es ja erfahren, wo Gabe reiche Früchte trägt!

So will ich wandern nun von Dorf zu Dorf, von Stadt zu Stadt,
Verehrung bringend dem Erwachten und dem vorzüglichsten Gesetz, der Lehre!