Die Fragen des Königs Milinda
Teil 2: Fragen über charakteristische Merkmale
Kapitel 3
3.3.3. Der erste Anfang
Der König sprach: „Wenn du sagst, ehrwürdiger Nāgasena, ein erster Anfang sei undenkbar, was soll denn da hierbei mit dem ‚ersten Anfang‘ gemeint sein?“
„Der erste Anfang des vergangenen Zeitlaufes, o König.“
„Wie nun aber, o Herr: sollte bei allen Dingen ein erster Anfang undenkbar sein?“
„Bei einigen wohl, o König, bei anderen aber nicht.“
„Welche aber sind diese, o Herr?“
„Ein erster Anfang, o König, wo es ganz und gar nirgends und in keiner Form Nichtwissen gegeben hätte, ein solcher erster Anfang ist undenkbar.
„Wenn nun aber, o Herr, etwas, ohne vorher gewesen zu sein, entsteht und alsbald wieder verschwindet, fällt es denn da nicht wohl der völligen Vernichtung anheim, da es doch an beiden Enden abgeschnitten ist?“
„Kann denn nicht etwas, das an beiden Enden abgeschnitten ist, vielleicht doch noch wachsen?“
„Gewiß, o Herr, das mag schon sein. Doch das wollte ich nicht wissen, sondern, ob es über den Endpunkt hinaus weiter wachsen kann.“
„Freilich kann es das.“
„Nun, so gib mir ein Beispiel!“
Und der Ordensältere wiederholte ihm das Gleichnis vom Baume und dem Samen und sagte, daß die Daseinsgruppen (Körperlichkeit, Gefühl, Wahrnehmung, Geistesformationen und Bewußtsein) der Samen seien, aus dem der Leidensbaum immer wieder von neuem emporkeime.
„Klug bist du, ehrwürdiger Nāgasena!“