Theragāthā
Die Lieder der Mönche
Neuner-Bruchstück
9.1. Bhūto (Geworden—Natur)
Wenn „Leiden ist das Alter und der Tod“ der Weise,
wo töricht sind und festgebunden Massenmenschen,
das Leiden tief erkennend, achtsam sich vertieft:
ein Wohl, das höher noch als dies, ist nicht zu finden.Wenn er das Leiden bringende Verhaftetsein,
den Vielfaltsknoten, der nur Leiden in sich birgt,
den Durst verlassen hat und achtsam sich vertieft:
ein Wohl, das höher noch als dies, ist nicht zu finden.Wenn er den glücklichen, Zweimal-Viergliederpfad,
den höchsten Weg zur Reinigung von allem Schmutz
mit Weisheit hat geschaut und achtsam sich vertieft:
ein Wohl, das höher noch als dies, ist nicht zu finden.Wenn er das staub-und kummerfreie Ungeschaff’ne,
den stillen Pfad zur Reinigung von allem Schmutz
entfaltet und durchtrennt die ganzen Fesselbanden:
ein Wohl, das höher noch als dies, ist nicht zu finden.Wenn tief im Himmelmächtig dröhnt die Wolkenpauke
und Regen wirbelt überall auf Vogelwegen
und still der Mönch in seinem Berge sich vertieft:
ein Wohl, das höher noch als dies, ist nicht zu finden.Wenn bunte Blüten auf dem Strom der Flüsse wirbeln,
als hätten sie mit reichem Kopfschmuck sich geputzt,
er still am Ufer sitzt und heiter sich vertieft:
ein Wohl, das höher noch als dies, ist nicht zu finden.Wenn in der Nacht, in tiefer Einsamkeit des Waldes
die Götter aus der Kehle, Zähne zeigend, brüllen
und still der Mönch in seinem Berge sich vertieft:
ein Wohl, das höher noch als dies, ist nicht zu finden.Wenn den Gedankenstrom des Selbst er in sich hemmt,
und im Gebirge sich in Felsenspalte schmiegt,
sich frei von Furcht und inn’rer Dürre leicht vertieft:
ein Wohl, das höher noch als dies, ist nicht zu finden.Wenn glücklich er Schmutz-Dürre-Kummer hat vertrieben
ganz ohne Riegel, ohne Sucht, vom Pfeil befreit,
am Ende aller Einflußmächte sich vertieft:
ein Wohl, das höher noch als dies, ist nicht zu finden.