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Das Kapitel
des Üblen und Bösen - Papa
Mit Eile tu das Gute
man,
Vom Bösen halt’ den Geist man
fern.
Wer’s Gute nämlich zögernd
tut,
Dess’ Geist am Bösen sich erfreut.
Hat etwas Böses man
getan,
Soll man’s nicht immer wieder
tun,
Und keine Lust danach
verspür’n,
Denn Übles häufen bringet
Leid.
Hat Gutes auch der Mensch verübt,
So
sollt er’s immer wieder tun
Und sollte
Lust danach verspür’n,
Den Gutes häufen
bringet Glück.
Selbst der Böse
erlebt Gutes,
Solang’ das Böse noch nicht
reift;
Sobald das Böse aber
reift,
Der Böse Böses dann erlebt.
Selbst der Gute erlebt Böses,
Solang’
das Gute noch nicht reift;
Sobald das
Gute aber reift,
Der Gute Gutes dann
erlebt.
Man unterschätz’
das Böse nicht:
„Es kommt ja nicht zu mir
zurück!“
Wenn tropfenweise Wasser
fällt,
Füllt sich zuletzt der
Wasserkrug,
Und wenn er’s Böse langsam
häuft,
Füllt ganz mit Bösem sich der Tor.
Man unterschätz’ das Gute nicht:
„Es
kommt ja nicht zu mir zurück!“
Wenn
tropfenweise Wasser fällt,
Füllt sich
zuletzt der Wasserkrug,
Und wenn er’s
Gute langsam häuft,
Der Weise sich mit
Gutem füllt.
Ein reicher
Kaufherr, schlecht beschützt,
Scheut Wege
die gefahrvoll sind.
Und der, der’s Leben
liebt, das Gift vermeidet:
So hält vom
Bösen man sich fern.
Hat keine Wunde man daran,
Kann Gift
man nehmen mit der Hand:
Denn,
unverwundet, Gift nicht wirkt.
Den trifft
kein Leid, der’s Böse scheut.
Wer sich an
sündenlosem Mann versündigt,
An einem
lautern, unbefleckten Wesen,
Auf solche
Toren fällt zurück das Böse,
Wie feiner
Staub, den man gen Wind geworfen.
Im Mutterschoß kehrt mancher
wieder,
Im Höllenreich, wer Übles
tat.
Zum Himmel steigt, wer
tugendhaft,
Der Triebversiegte ganz
erlischt.
Nicht in den
Lüften, nicht in Meeresmitte,
Nicht in
den Bergesklüften sich versteckend,
Nicht
findet sich ein Ort auf dieser Erde,
Wo
weilend man der bösen Tat entginge.
Nicht in den Lüften, nicht in
Meeresmitte,
Nicht in den Bergesklüften
sich versteckend,
Nicht findet sich ein
Ort auf dieser Erde,
Wo weilend einen
nicht der Tod bezwänge.
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Das Kapitel
der Tausend -
Sahassa
Und seien’s tausend Reden auch
Aus Worten ohne Sinn gefügt,
Besser ein
einzig sinnvoll Wort,
Durch das dem Hörer
Frieden wird.
Und seien’s tausend Verse auch
Aus Worten ohne Sinn gefügt,
Ein einz’ger
Halbvers besser ist,
Durch den dem Hörer
Frieden wird.
Und spräch’ man hundert Verse auch
Aus
Worten ohne Sinn gefügt,
Besser ein
einz’ges Wahrheitswort,
Durch das dem
Hörer Frieden wird.
Ob man zu Tausenden
auch da
Die Mannen in der Schlacht
besiegt,
Wer Eines nur, sein Selbst,
besiegt,
Der wahrlich ist der höchste
Held.
Sich selbst besiegen besser ist
Als diese andern Menschen all.
Dem Mann,
der selbstbezähmet ist
Und jeder Zeit
gezügelt lebt.
Dem Mann
von solchem Wesen kann
Kein Gott, kein
Himmelgenius,
Der Mara nicht, auch Brahma
nicht,
zunichte machen seinen Sieg.’.
Mag Tausende allmonatlich
Man opfern
hundert Jahre lang,
Doch einen
Selbstgeschulten nur
Für einen Augenblick
verehr’n,
So gilt solch’ Ehrbezeigung
mehr
Also opfern hundert Jahre lang.
Mag man auch
hundert Jahre lang
Dem Feuer widmen sich
im Wald,
Doch einen Selbstgeschulten nur
Für einen Augenblick verehr’n,
So gilt
solch’ Ehrbezeigung mehr
Als opfern
hundert Jahre lang.
Welch’ Gaben und Geschenke dieser Welt auch
Ein Jahr lang der Verdienstbegier’ge opfert,
All das kein Viertel wert ist der Verehrung:
Verneigung vor Geradwandelnden ist besser.
Wer ehrerbiet’gen
Wesens ist,
Stets den Gereiften Ehr’
erweist,
Bei dem gedeih’n der Dinge vier:
Lang’ Leben, Schönheit, Glück und Kraft.
Und lebt’ man hundert Jahre auch,
Doch
ohne Sammlung, ohne Zucht,
Besser ein
Lebenstag des Manns,
Der sittlich ist und
selbstvertieft.
Und lebt’ man
hundert Jahre auch,
Doch ungesammelt,
einsichtlos,
Weit besser ist’s, wenn
einen Tag
Man weise ist und
selbstvertieft.
Und lebt man hundert Jahre auch,
Doch
träge, ohne Willenskraft,
Besser ein
Lebenstag des Manns,
Der mächtig einsetzt
seine Kraft.
Und lebt man
hundert Jahre auch,
Doch merkt nicht das
Entstehn-Vergehn,
Besser ein Lebenstag
des Manns,
Der das Entstehn-Vergehn
erkennt.
Und lebt man hundert Jahre auch,
Doch schaut nicht das todlose Reich,
Weit
besser ein Lebenstag dessen,
Der’s
todlose Reich hat geschaut.
Und lebt man hundert Jahre auch,
Doch
schaut nicht das höchste Gesetz,
Weit
besser ein Lebenstag dessen,
Der’s
höchste Gesetz hat geschaut.
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Das Kapitel
über das Altern - Jara
Was soll das Lachen, was die
Lust,
Wo alles ständig brennt und
flammt?
In Finsternis seid ihr
gehüllt!
Warum sucht ihr nicht nach dem
Licht?
Schau diesen Balg schön
aufgeputzt,
Den Leib voll Löcher, wohl
gefügt,
Den siechen,
wunschesschwangeren,
Der Dauer und
bestand nicht hat.
Gealtert ganz ist dieser
leib,
Gebrechlich, ist ein
Seuchenherd.
Der faule Haufen bald
zerfällt,
Denn Leben endet mit dem Tod.
Wer diese grauen
Knochen sieht,
Die man dort hingeworfen
hat,
Den Kürbissen zur Herbstzeit
gleich,
Wie kann wohl der noch Lust
verspür’n?
Aus Knochen ist die Stadt gebaut,
Mit
Fleisch und Blut ist sie verputzt.
Drin
hausen Alter sowie Tod,
Wie Hochmut und
Verklein’rungssucht.
Die prächt’gen
Königswagen selbst zerfallen,
Auch dieser
Leib eilt dem Zerfall entgegen;
Doch nie
kommt das Gesetz der Edlen in
verfall,
Die Edlen künden es durch Edle
weiter.
Ja, solch ein wissensarmer Mensch,
Der
altert wie das Vieh dahin,
An Fleisch
nimmt er beständig zu,
Sein Wissen aber
wächst nicht an.
Manch Dasein hab’
durchwandert ich,
Durchlaufen ich, doch
fand ich nicht
Den Hauserbauer, den ich
suchte.
Leidvoll ist Immer-wiedersein.
Erkannt bist du nun, Hauserbauer;
Kein
weit’res Haus wirst du mir
bau’n.
Zerbrochen sind die Sparren
all,
Des Hauses Giebel ist
zerstört;
Den Geist, der die Entwerdung
fand,
Hat Gierversiegung nun erreicht.
Wer heil’gen Wandel
nicht geführt,
Noch Geld erwarb als
junger Mann,
Der klaget, altem Reiher
gleich
An einem fischeleeren Teich.
Wer heil’gen Wandel nicht
geführt,
Noch Geld erwarb als junger
Mann,
Gleicht einem abgeschoß’nen
Pfeil,
Bejammernd, was da einstmals war.
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Das Kapitel der
Züchtigung -
Danda
Vor Zücht’gung haben alle
Angst,
Und alle fürchten sich vor’m
Tod;
Dich selbst mit allem d’rum
vergleich’,
Und töte nicht und schlage
nicht.
Vor Zücht’gung haben alle
Angst,
Und allen ist ihr Leben
lieb;
Dich selbst mit allen d’rum
vergleich’,
Und töte nicht und schlage
nicht.
Wer Wesen, die nach Wohl
begehr’n,
Durch Züchtigungen wehe
tut,
Im Suchen nach dem eig’nen
Wohl,
Erlangt kein Wohl in künft’ger
Welt.
Wer Wesen,
die nach Wohl begehr’n,
Durch
Züchtigungen nie wehe tut,
Im Suchen nach
dem eig’nen Wohl,
Erlangt Wohl in
künft’ger Welt.
Sprich niemals hart zu
irgendwem,
Beschimpft möchte’ man’s
erwidern dir.
Ja, heft’ges Reden bringt
dir Leid,
Und Gegenschläge treffen dich.
Läßt’s Ich du nicht
erbeben mehr,
Zerbroch’nem Bronzetopfe
gleich,
Dann hast das Nirwahn du
erreicht,
Dann brauchst du nicht mehr
heftig auf.
Gleichwie der Kuhhirt mit dem
Stock
Die Kühe auf die Weide
treibt,
So treibt das Alter und der
Tod
Das Leben der Geschöpfe fort.
Daß üble Taten er
verübt,
Das ist dem Toren nicht
bewusst,
Doch durch die eig’ne Tat
gequält
Wir wie vom Feuer er verzehrt.
Wer mit dem Stock an Friedvollen,
An
Sündlosen, versündigt sich,
Den trifft
von zehn Bedingungen
Die eine oder and’re
bald:
Erfahren mag er
heft’gen Schmerz,
Körperverstümmelung,
Verlust,
Auch schwere Krankheit sucht ihn
heim,
Selbst Wahnsinn ihn befallen mag,
Auch Ungemach vom Fürsten her
Und
schreckliche Beschuldigung.
Verwandte
sterben ihm dahin,
Die Güter kommen in
Verfall.
Es mag auch eine
Feuersbrunst
Ihm seine Häuser all’
zerstör’n;
Dann nach Zerfallen seines
Leib’s
Eilt er, der Tor, zur Hölle hin.
Nicht Nacktgeh’n, auch nicht
Haargeflecht,
auch Schmutz
nicht,
Nicht Fasten, nicht auf bloßem
Boden schlafen,
Nicht Staub und Schlamm,
nicht Quälerei durch Hocksitz,
Mach rein
den zweifel-unerlösten Sterblichen
Auch wer geschmückt
ist, doch rechtschaffen
wandelt,
Gestillt, bezähmt, gefestigt,
heilig lebend,
Der gegen alle Wesen
Wehetun verwarf,
Der ist ein Priester,
ist ein Mönch, ein Jünger.
Gibt’s in der Welt wohl einen
Mann,
Der, von dem Schamgefühl
beherrscht,
Den Tadel unbeachtet
lässt
Wie edles Roß den Peitschenhieb?
Wie
edeles Roß, vom Peitschenhieb
getroffen,
Seid stets erfüllt von Eifer
und ergriffen.
Durch Zuversicht, wie
Sittlichkeit und Willenskraft,
Durch
Sammlung und Erforschung der
Gesetzesnorm,
Im Wissen und in Wandel
reif, voll Achtsasmkeit,
Mögt ihr dies
ganze Leiden überwinden.
Die Wasserleiter leiten Wasser,
Die
Bogner schlichten ihren Pfeil,
Die
Zimmerleute schlichten Holz,
Der
Pflichtgetreue zähmt seine Selbst.
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Das Kapitel
über das Selbst - Atta
Wem teuer gilt das eig’ne
Selbst,
Der hüte es in rechter
Hut,
Und eine der drei
Nachtwachen
Bleib’ wachsam der
verständ’ge Mann.
Zuallererst befest’ge
man
Das eigne Selbst auf rechtem
Pfad,
Und dann erst lehr’ man
andere:
So schadet sich der Weise nicht
Wenn man sein eigen Selbst so
macht,
Wie man den andern
unterweist,
Mag man, bezähmt, den anderen
zähmen.
Ja, schwer bezähmbar ist das
Selbst.
Das Selbst ist
unser eigner Schutz;
Welch andrer könnt’
wohl Schutzherr sein?
Im wohlbezämten
Selbst erlangt
Man Schutz, der schwer
erlangbar ist.
Die böse Tat, durchs Selbst
getan,
Durch Selbst gezeugt, durchs
Selbst gewirkt,
Zermalmt den
einsichtlosen Mann,
Wie Demant einen
Edelstein.
Wen völl’ge
Sittenlosigkeit
Lianengleich umschlungen
hält,
Der machet so sein eigen
Selbst,
Wie es sein Feind ihm gerne
wünscht.
Das Böse ist gar leicht vollbracht
Und
das, was einem Unheil bringt;
Doch was da
heilsam ist und gut,
Das wahrlich ist gar
schwer zu tun.
Durchs
Selbst wird böse Tat getan,
Bloß durch
sich selbst wird man befleckt;
Durchs
Selbst bleibt Böses ungetan,
Bloß durch
sich selber wird man rein.
>Rein<,
>Unrein< hängen ab vom Selbst,
Und
keiner andre läutern kann.
Wer da der Heil’gen, Edlen
Ordnung,
Der dem Gesetze
Lebenden
Beschimpft, solch unverständ’ger
Tor,
Auf bösen Ansichten
gestützt,
Zeugt Früchte wie das
Bambusrohr
Zu seinem eignen Untergang.
Das eigne Heil gibt
nimmer preis
Für andrer Wohl, sei’s noch
so groß.
Hast du dein eignes Heil
erkannt,
So gib dem eignen Heil dich hin.
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Das Kapitel
der Welt - Loka
Nichts Niedrigem sei
zugetan,
Leb’ nicht in Lässigkeit
dahin,
Sei keiner bösen Ansicht
hold,
Und häufe nicht das Dasein an.
Man raff’ sich auf, sei niemals
schlaff
Und wandle recht nach dem
Gesetz.
Denn wer’s Gesetz erfüllt lebt
glücklich
In dieser und der nächsten
Welt.
Als ob er bloße Schaumblasen
Und bloße
Spiegelbilder säh’:
Wer so die ganze Welt
anschaut,
Entgeht des Todesfürsten Blick.
Kommt und
betrachtet diese Welt,
Die wie ein
Königswagen strahlt,
Woran bloß Toren
sich erfreu’n,
Doch keine hängt, der klar
erkennt.
Wer lässig hat gelebt zuvor,
Doch
später nicht mehr lässig lebt,
Der
Leuchtet über diese Welt
Wie der von
Wolken freie Mond.
In wem verübte böse
Tat
Von Gutem überwuchert
wird,
Der leuchtet über diese
Welt
Wie der von Wolken freie Mond.
In Blindheit lebt die Welt dahin,
Klar
sehen da nur wenige.
Und wen’ge nur
zieh’n himmelwärts,
Wie Vögel aus dem
Netz befreit.
Der Schwan
durchzieht die Sonnenbahn,
Auch durch
Magie kreuzt man den Raum,
Der Welt
entrinnt der weise Mann,
Der Mahr besiegt
mit seiner Schar.
Der Lügner, der das eine Ding
(Die
Wahrheit) unbeachtet lässt,
Verloren für
die nächste Welt,
Zu allem Bösen fähig
ist.
Nicht steigen je
die Geiz’gen auf zur Götterwelt;
Nicht
preisen solche Toren milde Gabe.
Der
Weise aber, den das Geben froh
macht,
Lebt dadurch Glücklich in der
nächsten Welt.
Besser als Alleinherrschaft auf
Erden,
Besser als Geburt in einem
Götterreich,
Besser als die Herrschaft
über alle Welt
Ist fürwahr das Ziel des
Eintritts in den Strom.
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