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Das
Vielerlei Kapitel - Pakinnaka
Wenn durch Verzicht auf kleines
Glück
Er ein erhab’nes Glück
gewahrt,
Geb’s kleine Glück der Weise
auf
Im Anblick solch erhab’nen
Glücks.
Wer da nach eig’nem Glücke
strebt
Und dadurch andern Leid
zeugt,
Wird, in Gehässigkeit
verstrickt,
Vom Hasse nimmermehr befreit.
Das, was zu tun ist, meiden sie;
Tun
aber das, was sich nicht ziemt.
In
solchen Dreisten, Lässigen,
Das wachsen
alle Triebe an.
Die allzeit emsig
üben aus
Betrachtung alles
Leiblichen,
Die meiden das zu
Meidende
Und tun beharrlich ihre
Pflicht.
Die achtsam sind und
klarbewußt,
In denen schwindet jeder
Trieb.
Hat Vater, Mutter er erschlagen,
Dazu
zwei Adelskönige,
Samt dem Gefolge und
dem Volk,
Zieht leidlos hin der Heilige.
Hat Vater, Mutter
er erschlagen,
Dazu zwei
Priesterkönige,
Den Tiger als das fünfte
Hemmnis,
Zieht leidlos hin der Heilige.
In voller Wachheit wachen
sie
Allzeit die Jünger
Gotamas,
Bei denen Tag und Nacht der
Geist
Beständig an den Buddha
denkt.
In voller
Wachheit wachen sie
Allzeit die Jünger
Gotamas,
Bei denen Tag und Nacht der
Geist
Beständig an die Lehre denkt.
In voller Wachheit wachen
sie
Allzeit die Jünger
Gotamas,
Bei denen Tag und Nacht der
Geist
Beständig an den Orden denkt.
In voller
Wachheit wachen sie
Allzeit die Jünger
Gotamas,
Bei denen Tag und Nacht der
Geist
Beständig an den Körper denkt.
In voller Wachheit wachen sie
Allzeit
die Jünger Gotamas,
Bei denen Tag und
Nacht der Geist
An Milde seine Freude
hat.
In voller
Wachheit wachen sie
Allzeit die Jünger
Gotamas,
Bei denen Tag und Nacht der
Geist
An Geistentfaltung Freude hat.
Gar schwer ist’s hausloser zu
sein,
Gar schwer sich daran zu
erfreu’n;
Gar schwer ist’s Leben in dem
Haus,
Das Hausleben ist voller
Leid.
Mit gleichen leben leidvoll
ist,
Auch Leid den Wanderer
verfolgt.
Mach’ drum ein Ende allem
Wandern
Und wird’ nicht mehr verfolgt vom
Leid!
Wer voll Vertrau’n
und Sittlichkeit,
Mit Ruhm und Reichtum
ist verseh’n,
Der wird, wohin er immer
geht,
An allen Orten hoch geehrt.
Gestillte leuchten schon von
ferne,
Dem ew’gen Schneegebirge
gleich;
Doch ungestillte sieht man
nicht,
Wie Pfeile in der Nacht entsandt.
Einsam sitzen, einsam
liegen,
Einsam wandernd,
unermüdlich,
Einsam selber sich
bezähmend,
Weil’ man froh im wilden
Walde.
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Das Höllen Kapitel -
Niraya
Wer Unwahrheiten äußert, fährt zur Hölle,
Auch wer nach ausgeübter Tat sie leugnet:
Sie beide trifft als Menschen von gemeiner
Tat
Nach ihrem Tod das gleiche Los im Jenseits.
Gar viele Gelbbehalste
sind
Dem Bösen hold und unbeherrscht.
Solch’ Böse führ’n die bösen Taten
Hinab zu einer Höllenwelt.
Besser für den Sittenlosen
Glühend-heiße Eisenkugel
Schlucken, als des Landes Speise
Zu verzehren ungezügelt.
Vier Dinge
treffen einen läss’gen Menschen,
Der mit den Frauen anderer verkehrt:
Erwerb von Schuld, kein lager wie er’s
gern hat,
Als drittes tadel und die Hölle viertens,
Erwerb von Schuld, auch üble
Daseinsfährte,
Gar kurze Lust des Bangen mit der Bangen;
Und schwere Strafe legt ihm auf der König;
Drum pfleg’ der Mann nie mit des andern
Weib Verkehr.
Wie’s
Kusagras, falsch angefaßt,
Die eigne Hand aufschlitzt, so reißt
Das Mönchstum, wenn falsch angefaßt,
Den Menschen in das Höllenreich.
Die Tat, die nachlässig man tut,
Die Regel, die beschmutzt man hat,
Das Mönchstum, das voll Argwohn ist:
All das bringt keine hohe Frucht.
Was man auch
tu, tu gründlich man,
Und führ’ es fest entschlossen aus,
Denn Mönchstum, lässig ausgeübt,
Häuft immer größern Unrat an.
Böses besser ungetan bleibt,
Denn das Böse quält uns später,
Besser tu man nur das Gute,
Das uns niemals Qualen bringet.
Wie eine
feste Grenzstadt da,
Ist drinnen und draußen wohlbewacht,
So hütet euer eignes Selbst,
Laßt rechten Zeitpunkt nicht entflieh’n!
Denn wer die rechte Zeit verpaßt,
Klagt, wegen Höllen Übermacht.
Wer sich da schämt, wo Scham verkehrt,
Und sich nicht schämt, wo Scham sich ziemt:
Solch Wesen, falscher Meinung hold,
Gelangt hinab zur Leidenswelt.
In
Nichtgefahr Gefahr r sieht,
Doch in Gefahren Nichtgefahr;
Solch Wesen, falscher Meinung hold,
Gelangt hinab zur Leidenswelt.
Was nicht schlecht ist, für schlecht er
hält,
Was aber schlecht ist, nicht für schlecht:
Solch Wesen, falscher Meinung hold,
Gelangt hinab zur Leidenswelt.
Wer’s
Schlechte für das Schlechte hält,
Und nicht für schlecht, was schlecht nicht
ist:
Solch Wesen, rechter Meinung hold,
Gelangt zu einer Welt des Glücks.
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Das
Elefanten Kapitel - Naga
Wie in der Schlacht der
Elefant
Heranschwirrenden Pfeil
erträgt,
So trug ich die
Beschimpfungen.
Ja, böse Sitten hegt das
Volk.
Bezähmten führet man zum
Kampf,
Bezähmten bloß besteigt der
Fürst;
Bezähmter Mensch der beste
ist,
Der allen Schimpf geduldig trägt.
Gezähmtes Maultier ist gar gut,
Gar
gut gezähmtes Sindhu-Roß,
Auch gut der
mächt’ge Elefant,
Doch besser, wer sich
selbst bezähmt.
Auf solchen Tieren
niemals man
Zum unbetret’nen Reich
gelangt,
So wie bei wohlbezähmten
Selbst
Bezähmter mit Bezähmten geht.
Der Dahnapalaka, der Elefant,
Hatt’
scharfen Brunstschweiß und zwar schwer
zu
bändigen,
Gefesselt fraß er keinen
Bissen
Und dachte bloß an seinen
Elefantenwald.
Wenn einer schlaff
ist, voll Gefräßigkeit,
Und schläfrig
sich auf seinem Lager wälzt umher,
Dann
ist genau er wie ein fettes
Mastschwein;
Und immer wieder tritt ins
Dasein ein der Tor.
Es schweifte früher dieser geist gar
viel umher -
Wozu und wo und wie’s auch
immer ihm gefiel -;
Doch heute will ich’s
weise ihm verwehren,
Wie Treiber geilen
Elefanten hält zurück.
Der Wachheit gebt
euch freudig hin
Und wachet übers eigne
Herz.
Zieht euch heraus aus dem
Morast
Wie schlammversunk’ner Elefant.
Wenn einen einsichtsvollen Freund du
findest,
Einen Gefährten, weise, edel
lebend,
Magst freudig du und achtsam mit
ihm wandeln
Und überwinden jegliche
Gefahr.
Wenn keinen
einsichtsvollen Freund du findest,
Einen
Gefährten, weise, edel lebend,
Sei wie
ein König, der sein Land im Stiche
läßt
Und wandle einsam wie der Elefant im
Wald.
Alleinig wandern besser
ist,
Gemeinsames gibt’s nicht mit
Tor’n.
Man lebe einsam, tue keine böse
Tat,
Sei unbekümmert wie der Elefant im
Wald.
Wenn Not sich
einstellt, sind ein Glück die
Freunde;
Ein Glück ist die Genügsamkeit
bei allem;
Verdienste sind ein Glück beim
Lebensende;
Ein Glück ist alles Leidens
Überwindung.
Ein Glück ist die Mutterschaft
allhier,
Auch die Vaterschaft ein
Glück,
Ein Glück ist die
Asketenschaft,
Ein Glück auch ist die
Heiligkeit.
Ein Glück ist die
Tugend lebenslang,
Ein Glück gefestigtes
Vertrau’n;
Gewinn an Wissen ist ein
Glück,
Ein Glück, nicht Böses mehr zu
tun.
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Das Kapitel
über das Begehren - Tanha
Im Menschen, der in Lässigkeit
dahin lebt,
Wächst das Begehren an
lianengleich,
Und wie im Wald der
früchtegier’ge Affe
Eilt er vom Sein zu
immer neuem Sein.
Wer diese nied’re Lust
bezwingt,
Die fest sich klammert an die
Welt,
In solchem wuchert Sorge
hoch
Grad’ wie das regenfeuchte
Gras.
Wer diese nied’re Lust bezwingt,
So
schwer besiegbar in der Welt,
Von dem
fällt alle Sorge ab
Wie Wassertropf’ vom
Lotusblatt.
Zu eurem Heile sag’
ich’s euch,
Die ihr allhier versammelt
seid:
Reißt aus die Wurzel der
Begier,
Wie’s Gras, dess’ Wurzel man
begehrt!
Mög’, wie der Strom das Röhricht
knickt,
Der Mahr euch nicht vernichten
stets!
Wie selbst der abgehau’ne Baum von neuem
sproßt,
Solang’ die Wurzel unbeschädigt
ist und stark,
Genauso steigt dies Leiden
immer wieder auf,
Solang’ der Giertrieb
noch nicht ausgerottet ist.
In wen die
sechsunddreißig Ströme,
Die mächt’gen,
lieblich strömen ein,
Solch Irren reißen
fort die Wogen
Der Wünsche, die auf Gier
beruh’n.
Die Ströme stömen allwärts hin;
Empor
sich die Liane rankt.
Habt diese ihr
entstehen seh’n,
Reißt weise ihr die
Wurzel aus.
Dem Menschen kommen
freudige Gefühle,
Forttreibende und
lustbehaftete.
Die Lust geneigt, nach
Freuden suchend,
Eilt immer er zu Alter
und Geburt.
Die Menschheit, von dem Durste
hingerissen,
Umherkriecht wie ein Hase in
der Falle.
Durch Fesseln und durch Haften
festgehalten,
Verfällt sie langem Leiden
immer wieder.
Die Menschheit, von
dem Durste hingerissen,
Umherkriecht wie
ein Hase in der Falle.
Darum vertreibe
das Begehren
Der Mönch, auf eigene
Erlösung hoffend.
Wer, frei vom Dickicht, hold dem Dickicht
ist,
Vom Dickicht frei zum Dickicht
wieder eilt,
Solch einen Menschen seht
euch einmal an:
Befreit eilt in die Bande
er zurück.
Nicht gilt den
Weisen die als feste Fessel,
Der
hergestellt aus Gras, Holz oder
Eisen.
Der gierentbrannte Wunsch nach
edlen Steinen,
Nach Ringen, wie nach
Kindern und auch nach Frauen:
Die Gierentbrannten in den Strom sich
stürzen,
Wie Spinne hineilt in das selbst
gewob’ne Netz.
Durchkreuzend diesen Strom
die Weisen zieh’n,
Die, wunschlos, alles
Leiden überwandern.
Laß’ los vom
Früh’ren, los vom Spät’ren;
Von dem auch,
was dazwischenliegt, laß’
los.
Weltüberwindend, allwärts
geisterlöst,
Verfällst du Alter und
Geburt nicht mehr.
Im Menschen, der gequält wird von
Gedanken,
Erfüllt von heft’ger Gier das
Schöne sucht,
In dem nimmt das Begehren
ständig zu;
Und eine feste Fessel schafft
er sich.
Wer an
Gedankenruhe sich erfreut,
Das Bild des
Ekels weckt, stets klar bewußt,
Der wird
die Fesseln Mahrs vernichten,
Der wird
die Fesseln Mahrs völlig zerstör’n.
Wer’s Ziel gewann, nicht mehr
erbebt,
Frei von Begier ist,
unbefleckt,
Der bricht des Daseins
Stacheln ab;
Und dieses ist sein letzter
Leib.
Wer frei
von Gier und Haften ist,
Mit Wort und
Sprache wohl vertraut,
Den
Wortzusammenhang versteh’nd,
Was früher
und was später kommt,
Und seinen letzten
Körper trägt,
Der gilt als hoher
Wissenswart.
Allüberwinder bin ich,
Allerkenner,
Von keinem Dinge mehr werd’
ich befleckt,
Ließ alles fahr’n, erlöst
in Gierversiegung,
Hab’ selbst erkannt,
wen sollt’ ich Lehrer nennen?
Alle Gaben
übertrifft die Warheitsgabe,
Die Genüsse
alle der Genuß der Wahrheit,
Alle Wonne
überwältigt
Wahrheitswonne,
Gierversiegung
überwältigt alles Leid.
Der Reichtum bringt den Toren
um,
Nicht den, der’s andre Ufer
sucht.
Durch Durst nach Schätzen bringt
der Tor
Sich um, als sei ein Fremder er.
Das Gras ist ein
Verderb für’s Feld,
Für diese Menschheit
ist’s die Gier.
Was drum den Gierlosen
man gibt,
Solch’ Gabe bringet hohen Lohn.
Das Gras ist ein Verderb für’s
Feld,
Für diese Menschheit ist’s der
Haß.
Was drum den Haßlosen man
gibt,
Solch’ Gabe bringet hohen Lohn.
Das Gras ist ein
Verderb für’s Feld,
Für diese Menschheit
ist’s der Wahn.
Was drum den Wahnlosen
man gibt,
Solch’ Gabe bringet hohen
Lohn.
Das Gras ist ein Verderb für’s
Feld,
Für diese Menschheit ist’s der
Wunsch.
Was drum den Wunschlosen man
gibt,
Solch’ Gabe bringet hohen Lohn.
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Das Kapitel
der Mönche - Bhikkhu
Beherrscht sein beim Gesicht ist
gut,
Gut das Beherrschtsein beim
Gehör,
Beherrschtsein beim Geruch ist
gut,
Gut das Beherrschtsein beim
Geschmack,
In Werken sich beherrschen
gut,
Gut sich beherrschen auch im
Wort,
Im Geiste sich beherrschen
gut,
Gut sich beherrschen
überall.
Der Mönch, der allseits ist
beherrscht,
Der wird von allem leid
befreit.
Wer seine Hände zügelt, seinen
Fuß,
Die Rede zügelt, selbstgezügelt
ist,
Im Inneren beglückt,
gesammelt,
Allein zufrieden: der als
wahrer Mönch gilt.
Der Mönch, der
seinen Mund beherrscht,
Der weise
spricht, nicht aufgeregt,
Die Lehre weist
und ihren Sinn,
Gar lieblich dessen Rede
klingt.
Der Mönch, der das Gesetz
erforscht,
Voll Lust und Freude am
Gesetz,
Stets des Gesetzes
eingedenk,
Irrt vom Gesetze nie mehr ab.
Mißachte
nicht, was du erhältst,
Heg’ gegen andre
keinen Neid;
Dem Mönch, der andere
beneidet,
Wird Sammlung nimmermehr
zuteil.
Selbst wenn der Mönch nur wenig
kriegt,
Doch was er kriegt, gering nicht
schätzt,
So preisen alle Götter
ihn,
Der rein lebt, niemals lässig ist.
Wer da bei Körper
und beim Geist
Ganz ohne jeden Ichtrieb
ist,
Und das, was nicht ist, nicht
beklagt,
Den nennt man einen Mönch
fürwahr.
Der Mönch, der stets in Güte weilt,
Zu
Buddha Weisung voll Vertrau’n,
Erringt
die stille Stätte bald,
Das Glück des
Stillstands aller Form.
Schöpf’ aus, o
Mönch, dies schwere Boot;
Ist’s
ausgeschöpft, wird’s leichter
fahr’n.
Hast gier und Haß du
ausgetilgt,
Erreichst du das Nirwahn
bald.
Fünf schneide durch, laß’ fahren
fünf,
Und weit’re fünf entfalte
du.
Der Mönch, vom Fünferhang
befreit,
Der, heißt es, hat die Flut
durchkreuzt.
Vertief’ dich,
Mönch, und sei nicht lässig,
Laß’ deinen
Geist nicht um die Sinnendinge
kreisen.
Schluck’ achtlos nicht den
glühn’den Eisenklump,
Und klage brennend
nicht; „Ach, welche Qual!“
Ohn’ Wissen gibt’s Vertiefung
nicht
Und ohn’ Vertiefung Wissen
nicht;
Wer Wissen und Vertiefung
hat,
Der wahrlich ist dem Nirwahn nah’.
In leerer Klause
eingetreten
Wird dem in geist gestillten
Mönch
Ein übermenschliches Glück
zuteil,
Derweil er klar die Wahrheit
schaut.
Wenn immer man im Geist
erwägt
Der Daseinsgruppe Auf- und
Untergang,
Erlangt Verzücken man und
Glück:
Der Kenner nennt’s das todlos’
Reich.
Es gilt da dies als
Ausgangspunkt
Für einen weisen Mönch
dahier:
Die Sinne zügle, sei
genügsam,
Beherrsch’ dich in der
Ordenszucht!
Mit edlen Freunden gehe um,
Die rein
leben, nicht träge sind,
Benimm dich
freundlich überall,
Sei im Verhalten
allzeit klug.
Dann wirst von Wonne du
erfüllt
Ein Ende machen allem Leid.
Gerade wie
der Jasminstrauch
Die faulen Blüten
schüttelt ab,
So auch, ihr Mönche, sollte
man
Sich ganz befrei’n von Gier und Haß.
Wer gestillt in Worten und
Werken,
Geistgestillt ist, wohl
gesammelt,
Ausgespien hat die
Weltlust,
Solcher Mönch gilt als
Gestillter.
Du selber feu’re an
dein Selbst,
Dein Selbst du selber prüfe
wohl!
Voll Achtsamkeit und
selbstbewacht
Wirst glücklich leben du, o
Mönch.
Das Selbst ist unser eigner
Herr,
Das Selbst als eigne Zuflucht
gilt.
Drum zügle du dein eignes
selbst
Gleichwie ein Händler edles
Roß.
Der Mönch, von
Frohsinn ganz erfüllt,
Zu Buddhas Weisung
voll vertrau’n,
Gelangt zur
Friedensstätte hin,
Zum Glück und Ende
aller Form.
Wer wahrlich schon als junger
Mönch,
Des Buddhas Weisung hin sich
gibt,
Der überstrahlt diese
Welt
Gleichwie der wolkenfreie Mond.
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Das Kapitel
über die Priester - Brahma
Durchkreuz’ den Strom mit voller
Macht,
Laß’, Priester, fahr’n die
Sinnlichkeit.
Hast du der Dinge Schwund
erkannt,
Dann kennst das Unentstand’ne
du.
Sobald auf zwei Gebietern
da
Der Heil’ge hat das Ziel
erreicht,
So fallen alle Fesseln
ab
Von ihm, dem
Klarerkennenden
Wem Diesseits sowie Jenseits
schwand,
Wem alles beides nicht mehr
gilt,
Der unbedrängt ist,
losgelöst,
Das nenne einen Priester ich.
Wer dasitzt
fleckenlos, vertieft,
Das Werk gewirkt
hat, triebversiegt,
Zum höchsten Ziele
hingelangt,
Den nenne einen Priester ich.
Bei Tag die Sonne hell erstrahlt,
Zur
Nachtzeit aber scheint der Mond,
Im
Waffenschmuck der Krieger strahlt,
Es
strahlt der Priester selbstvertieft.
Doch
allezeit, bei Tag wie Nacht,
In seinem
Glanz der Buddha strahlt.
Brahmane
ist, wer’s Böse brach,
Samane, wer die
Sanftmut lebt.
Entsager aber wird
genannt,
Wer eig’nem Schmutz entsaget
hat.
Nicht schlage einer den Brahmanen,
Und
nicht fahr’ dieser jenen an.
Pfui dem,
der den Brahmanen schlägt!
Pfui dem
Brahmanen, der ihn anfährt.
Dies dem Brahmanen
nicht geringer Vorteil bringt,
Wenn von
Erwünschtem er den Geist
zurückhält;
Wobei auch dieser Geist des
Wehtuns schwindet,
Dort wahrlich kommt
das ganze Leid zur Ruhe.
Wer immer da, in Wort, in Tat,
Im
Geiste, nichts mehr Böses wirkt,
In
diesen Dingen drei beherrscht,
Den nenne
einen Priester ich.
Durch den
du das Gesetz erfuhrst,
Das der
Erleuchtete gelehrt,
Den mögst in Demut
du verehr’n
Wie’s Feueropfer der
Brahmanen.
Nicht machen Flechten, nicht
Geschlecht,
Auch nicht Geburt zum
Priester dich.
In wem Gesetz und Wahrheit
lebt,
Der gilt als Priester, gilt als
rein.
Was nützt dir, Tor,
das Haargeflecht,
Was nützt dir dieses
Kleid aus Fell?
Im Innern wuchert dir
Gestrüpp,
Und bloß dein Äuß’res
striegelst du.
Der Mann der Fetzenkleidung trägt,
Gar
hager ist, adernbedeckt,
Im Walde einsam
weilt, vertieft,
Den nenne einen Priester
ich.
Brahmanen nenne ich
einen nicht,
Weil er dem Mutterleib
entsproß.
„Hm, Kamerad!“ so sagt er
wohl,
Wenn ihm auch anhängt
allerlei.
Wem, frei vom Haften, nichts
hängt an,
Nur der mir als Brahmane gilt.
Wer jede Fessel hat zerstört
Und
niemals mehr erbeben kann,
Vom Haften und
vom Fesseln frei,
Den nenne einen
Priester ich.
Der Band
und Fessel hat zertrennt
Und das Geflecht
der reihe nach,
Den Buddha, der den
Riegel hob,
Den nenne einen Priester ich.
Wer Schmähung, Schläger,
Fesselung
Ohn’ jeden Groll geduldig
trägt,
Den Duldsamstarken
kampfgestählt,
Den nenne einen Priester
ich.
Wer ohne
Zorn, der Übung treu,
Voll Sittlichkeit,
von Flecken frei,
Bezähmt, den letzten
Körper trägt,
Den nenne einen Priester
ich.
Wie Wasser an dem
Lotusblatt,
Wie Senfkorn auf dem spitzen
Pfriem:
Wenn Sinnlichkeit nicht mehr
befleckt,
Den nenne einen Priester
ich.
Wer schon
bei seinen Lebzeiten
Des eignen Leidens
Ende schaut,
Der Bürde ledig,
losgelöst,
Den nenne einen Priester ich.
Wer, wissenstief und
einsichtsvoll,
Mit Weg und Abweg wohl
vertraut,
Das höchste Ziel errungen
hat,
Den nenne einen Priester ich.
Wer da mit beiden
nicht verkehrt,
Mit Hausleuten und
Hauslosen,
Und hauslos wandert, ohne
Wunsch,
Den nenne einen Priester ich.
Der gegen Wesen, schwach wie
stark,
Die Grausamkeit hat
abgelegt,
Der weder schlägt, noch
schlagen läßt,
Den nenne einen Priester
ich.
Wer streitlos ist
bei Streitenden
Und friedvoll bei
Bewaffneten,
Vom Haften frei bei
Haftenden,
Den nenne einen Priester
ich.
Von dem die Gier ist abgeworfen,
Der
Dünkel, Haß, Anschwärzerei,
Wie’s
Senfkorn von dem spitzen Pfriem,
Den
nenne einen Priester ich.
Wer ohne Härte
Worte spricht,
Die wahr sind, die
belehrend sind,
Durch die er niemanden
verletzt,
Den nenne einen Priester ich.
Wer etwas, sei es lang’, sei’s
kurz,
Sei’s fein, grob, unschön oder
schön,
Nicht, ungegeben, an sich
nimmt,
Den nenne einen Priester ich.
Der kein
Verlangen mehr erfüllt
Nach dieser oder
jener Welt,
Der wunschlos ist und
losgelöst,
Den nenne einen Priester ich.
Wer da kein Haften mehr
besitzt,
Erkannt hat, frei von Schwanken
ist,
Ins Todlos ist
eingetaucht,
Den nenne einen Priester ich
Wer gut wie
Böse überwand
Und allem Haften ist
entflohn,
Von Leid frei, fleckenlos und
rein,
Den nenne einen Priester
ich.
Der klar ist, rein und
unbefleckt
Gleichwie der ungetrübte
Mond,
In dem die Daseinslust
erslosch,
Den nenne einen Priester
ich.
Wer diesem
Irrweg, diesem Sumpf
Der Wandelwelt, der
Blindheit Wahn
Entrann, das andre Ufer
fand,
Vertieft, von Gier und Zweifel
frei,
An nichts mehr hängt, völlig
erlöst,
Den nenne einen Priester ich.
Wer aller Sinnlichkeit entrückt,
Als
Hausloser zieht seines Wegs,
Von
Sinnlichkeit und Dasein frei,
Den nenne
einen Priester ich.
Wer dem
Begehrenstrieb entrückt,
Als Hausloser
zieht seines Wegs,
Von Sinnlichkeit und
Dasein frei,
Den nenne einen Priester
ich.
Wer Menschenfesseln fahren
ließ,
Die Himmelsfessel
überwand,
Von allen Fesseln
losgelöst,
Den nenne einen Priester ich.
Wer Lust und Unlust
überwand,
Verglüht ist und vom Haften
frei,
Den Helden, der die Welt
bezwang,
Den nenne einen Priester
ich.
Der klar erkennt, wie alle
Wesen
Verschwinden und von neu’m
ersteh’n,
Den Buddha, haftlos,
unversehrt,
Den nenne einen Priester
ich.
Dem,
dessen Fährte keiner kennt,
Ganz gleich,
ob Gott, Geist oder Mensch,
Den
Triebversiegten, Heiligen,
Den nenne
einen Priester ich.
Der vorher, nachher,
mittendurch
Nichts mehr sein Eigen nennen
mag,
Der nichts besitzt, an nichts mehr
hängt,
Den nenne einen Priester
ich.
Den
höchsten, hehresten Helden,
Den hohen
Weisen, sieggekrönt,
Den lautern Buddha,
wunscherlöst,
Den nenne einen Priester
ich.
Wer da sein früh’res Dasein
schaut,
Den Himmel und den Abweg
kennt,
Zum Daseinsende ist
gelangt,
Im Wissen die Vollendung
fand,
Den Weisen,
Allvollendeten,
Den nenne einen Priester
ich.
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