Aṅguttara Nikāya
Das Dreier-Buch
123. Bei Kusinārā
Einst weilte der Erhabene bei Kusinara, im Opferhain. Dort wandte sich der Erhabene an die Mönche: „Mönche!“ sprach er. „Herr!“ erwiderten jene Mönche dem Erhabenen. Und der Erhabene sprach:
„Da weilt ein Mönch in der Nähe eines Dorfes oder einer Ortschaft. Und ein Hausvater oder der Sohn eines Hausvaters kommt zu ihm und ladet ihn für den folgenden Tag zum Mahle ein. Wenn der Mönch gewillt ist, gibt er seine Zustimmung. Nach Ablauf jener Nacht nun kleidet er sich in der Frühe an, nimmt Almosenschale und Gewand und begibt sich zur Wohnung jenes Hausvaters oder Hausvatersohnes. Dort angelangt, setzt er sich auf dem angewiesenen Sitze nieder, und jener Hausvater oder Sohn eines Hausvaters bedient ihn und wartet ihm eigenhändig mit vorzüglicher harter und weicher Speise auf. Da denkt der Mönch: „Wahrlich, schön ist es, wie mich dieser Hausvater oder Sohn eines Hausvaters bedient und mir eigenhändig mit vorzüglicher harter und weicher Speise aufwartet!“ Und ihm wird also zumute: „Ach, daß doch dieser Hausvater oder Sohn eines Hausvaters mich auch fernerhin bedienen und mir mit solch vorzüglicher harter und weicher Speise aufwarten möchte!“ Und von Gier erfüllt, betört und verlockt, ohne das Elend dabei zu merken und uneingedenk der Entrinnung, verzehrt er die Almosenspeise. Dabei hegt er Gedanken der Begehrlichkeit, der Gehässigkeit und der Schädigung. Die Gabe an einen solchen Mönch bringt keine hohe Frucht, sage ich, o Mönche. Und warum nicht? Weil jener Mönch lässig lebt.
Da weilt aber ein (anderer) Mönch in der Nähe eines Dorfes oder einer Ortschaft. Und ein Hausvater oder der Sohn eines Hausvaters kommt zu ihm und ladet ihn für den folgenden Tag zum Mahle ein. Wenn der Mönch gewillt ist, gibt er seine Zustimmung. Nach Ablauf jener Nacht nun kleidet er sich in der Frühe an, nimmt Almosenschale und Gewand und begibt sich zur Wohnung jenes Hausvaters oder Hausvatersohnes. Dort angelangt, setzt er sich auf dem angewiesenen Sitze nieder, und jener Hausvater oder Sohn eines Hausvaters bedient ihn und wartet ihm eigenhändig mit vorzüglicher harter und weicher Speise auf. Da aber denkt jener Mönch nicht so: „Wahrlich, schön ist es, wie mich dieser Hausvater oder Sohn eines Hausvaters bedient und mir mit vorzüglicher harter und weicher Speise aufwartet!“ Nicht kommt ihm da der Gedanke: „Ach, daß doch dieser Hausvater oder Sohn eines Hausvaters mich auch fernerhin bedienen und mir mit solch vorzüglicher harter und weicher Speise aufwarten möchte!“ Und ohne Gier, unbetört, unverlockt, das Elend dabei merkend, der Entrinnung eingedenk, verzehrt er die Almosenspeise. Dabei hegt er entsagende Gesinnung, haßlose Gesinnung und friedfertige Gesinnung. Die Gabe an einen solchen Mönch, sage ich, bringt hohe Frucht. Und warum? Vollen Ernstes lebt ja dieser Mönch.“