Aṅguttara Nikāya
Das Vierer-Buch
122. Die vier Gefahren
Vier Gefahren, ihr Mönche, mag man beim Baden erwarten. Welche vier?
- Die Gefahr der Flut,
- die Gefahr des Krokodils,
- die Gefahr des Strudels,
- die Gefahr des Haies (freie Wiedergabe für susukā).
Diese vier Gefahren, ihr Mönche, mag man beim Baden erwarten.
Ebenso auch, ihr Mönche, mag da ein edler Mensch, der, vom Vertrauen erfüllt, vom Hause fort in die Hauslosigkeit gezogen ist, in dieser Lehre und Zucht vier Gefahren erwarten. Welche vier?
Die Gefahr der Flut, die Gefahr des Krokodils, die Gefahr des Strudels und die Gefahr des Haies.
1. Was aber, ihr Mönche, ist die Gefahr der Flut?
Da ist, ihr Mönche, ein edler Mensch, von Vertrauen erfüllt, vom Hause fort in die Hauslosigkeit gezogen. Und er denkt: ‚Verfallen bin ich der Geburt, dem Altern und Sterben, dem Kummer, Jammer, Schmerz, Gram und der Verzweiflung, dem Leiden verfallen, vom Leiden verzehrt. Ach, daß sich doch ein Ende dieser ganzen Leidensfülle zeigen möchte!‘ Ihn aber, der so der Welt entsagt hat, ermahnen und weisen die Ordensbrüder zurecht, so nämlich: ‚So sollst du hingehen und weggehen, so sollst du hinblicken und wegblicken, so sollst du deinen Körper beugen und strecken, so sollst du Almosenschale und Gewänder tragen!‘ Da wird ihm also zumute: ‚Wir, die wir früher Hausleute waren, haben die anderen ermahnt und zurechtgewiesen. Und diese hier, die wohl unsere Kinder oder Enkel sein könnten, glauben uns ermahnen und zurechtweisen zu müssen.‘ Und voll Verdruß und Mißstimmung gibt er die Askese auf und kehrt zum niedrigen Weltleben zurück. Dieser Mönch, so sagt man, ihr Mönche, hat aus Furcht vor der Gefahr der Flut die Askese aufgegeben und ist zum niedrigen Weltleben zurückgekehrt. Die Gefahr der Flut aber, ihr Mönche, ist eine Bezeichnung für Ärger und Verzweiflung. Das, ihr Mönche, nennt man die Gefahr der Flut.
2. Was aber, ihr Mönche, ist die Gefahr des Krokodils?
Da ist ein edler Mensch, von Vertrauen erfüllt, vom Hause fort in die Hauslosigkeit gezogen. Und er denkt: ‚Verfallen bin ich der Geburt, dem Altern und Sterben, dem Kummer, Jammer, Schmerz, Gram und der Verzweiflung, dem Leiden verfallen, vom Leiden verzehrt. Ach, daß sich doch ein Ende dieser ganzen Leidensfülle zeigen möchte!‘ Ihn aber, der so der Welt entsagt hat, ermahnen und weisen die Ordensbrüder zurecht, so nämlich: ‚Das darfst du kauen, das darfst du nicht kauen; das darfst du essen, das darfst du nicht essen; das darfst du schmecken, das darfst du nicht schmecken; das darfst du trinken, das darfst du nicht trinken; Erlaubtes darfst du kauen, essen, schmecken und trinken, unerlaubtes darfst du nicht kauen, essen, schmecken und trinken; zur rechten Zeit mußt du kauen, essen, schmecken und trinken, zur Unzeit darfst du nicht kauen, essen, schmecken und trinken!‘ Da wird ihm also zumute: ‚Wir, die wir früher Hausleute waren, kauten, aßen, schmeckten und tranken, was wir wollten; und was wir nicht wollten, das kauten, aßen, schmeckten und tranken wir eben nicht. Erlaubtes und Unerlaubtes kauten, aßen, schmeckten und tranken wir. Zur üblichen Zeit und außer der Zeit kauten, aßen, schmeckten und tranken wir. Und wenn uns da jetzt gläubige Hausleute am Tage zur Unzeit Gutes zum Kauen und Essen anbieten, da versperren diese einem gleichsam den Mund!‘ Und voll Verdruß und Mißstimmung gibt er die Askese auf und kehrt zum niedrigen Weltleben zurück. Dieser Mönch, so sagt man, ihr Mönche, hat aus Furcht vor der Gefahr des Krokodils die Askese aufgegeben und ist zum niedrigen Weltleben zurückgekehrt. Die Gefahr des Krokodils aber, ihr Mönche, ist eine Bezeichnung der Gefräßigkeit. Das, ihr Mönche, nennt man die Gefahr des Krokodils.
3. Was aber, ihr Mönche, ist die Gefahr des Strudels?
Da ist ein edler Mensch, von Vertrauen erfüllt, vom Hause fort in die Hauslosigkeit gezogen. Und er denkt: ‚Verfallen bin ich der Geburt, dem Altern und Sterben, dem Kummer, Jammer, Schmerz, Gram und der Verzweiflung, dem Leiden verfallen, vom Leiden verzehrt. Ach, daß sich doch ein Ende dieser ganzen Leidensfülle zeigen möchte!‘ Er nun, der so der Welt entsagt hat, rüstet sich in der Frühe, nimmt Gewand und Schale und begibt sich nach dem Dorfe oder der Stadt, um Almosenspeise einzusammeln, aber ohne dabei auf seinen Körper acht zu haben, ohne auf seine Rede acht zu haben, ohne auf seine Gedanken acht zu haben, unachtsam, mit unbeherrschten Sinnen. Dort erblickt er nun einen Hausvater oder den Sohn eines Hausvaters inmitten des Besitzes und Genusses der fünf Sinnenfreuden. Da wird ihm also zumute: ‚Wahrlich, wir, die wir früher Hausleute waren, lebten inmitten des Besitzes und Genusses der fünf Sinnenfreuden. Meine Familie besitzt ja Vermögen! Und man kann sich des Vermögens erfreuen und dabei gute Werke tun. Wie, wenn ich nun die Askese aufgäbe und zum niedrigen Weltleben zurückkehrte? Und er gibt die Askese auf und kehrt zum niedrigen Weltleben zurück. Dieser Mönch, so sagt man, ihr Mönche, hat aus Furcht vor der Gefahr des Strudels die Askese aufgegeben und ist zum niederen Weltleben zurückgekehrt. Die Gefahr des Strudels aber, ihr Mönche, ist eine Bezeichnung für die fünf Sinnenfreuden. Das, ihr Mönche, nennt man die Gefahr des Strudels.
4. Was aber, ihr Mönche, ist die Gefahr des Haies?
Da ist ein edler Mensch, von Vertrauen erfüllt, vom Hause fort in die Hauslosigkeit gezogen. Und er denkt: ‚Verfallen bin ich der Geburt, dem Altern und Sterben, dem Kummer, Jammer, Schmerz, Gram und der Verzweiflung, dem Leiden verfallen, vom Leiden verzehrt. Ach, daß sich doch ein Ende dieser ganzen Leidensfülle zeigen möchte!‘ Er nun, der so der Welt entsagt hat, rüstet sich in der Frühe, nimmt Gewand und Schale und begibt sich nach dem Dorfe oder Stadt, um Almosenspeise einzusammeln, doch ohne dabei auf seinen Körper acht zu haben, ohne auf seine Rede acht zu haben, ohne auf seine Gedanken acht zu haben, unachtsam, mit unbeherrschten Sinnen. Dort erblickt er nun ein Weib halb bekleidet oder spärlich verhüllt. Beim Anblick des Weibes aber, das halb bekleidet oder spärlich verhüllt ist, bemächtigt sich die Begierde seines Herzens. Und, das Herz von Begierde besessen, gibt er die Askese auf und kehrt zum niedrigen Weltleben zurück. Dieser Mönch, so sagt man, ihr Mönche, hat aus Furcht vor der Gefahr des Haies die Askese aufgegeben und ist zum niederen Weltleben zurückgekehrt. Die Gefahr des Haies aber, ihr Mönche, ist eine Bezeichnung des Weibes. Das, ihr Mönche, nennt man die Gefahr des Haies.
Diese vier Gefahren Mönche, mag ein edler Mensch, der, von Vertrauen erfüllt, vom Hause fort in die Hauslosigkeit gezogen ist, in dieser Lehre und Zucht erwarten.