Aṅguttara Nikāya

Das Fünfer-Buch

100. Die fünf Meister

Einst weilte der Erhabene im Ghosita-Kloster bei Kosambi. Damals nun war der Koliyer Kakudha, des ehrwürdigen Mahā-Moggallāna Begleiter, gerade gestorben und in einer geisterzeugten Welt wiedererschienen; und er besaß einen Körper, der so groß war wie zwei oder drei Magadher Bauernfelder. Mit diesem Körper aber belästigte er weder sich selber noch andere. Und Kakudha der Himmelssohn begab sich dorthin, wo der ehrwürdige Mahā-Moggallāna weilte. Dort angelangt, begrüßte er den ehrwürdigen Mahā-Moggallāna ehrerbietig und blieb seitwärts stehen. Seitwärts stehend sprach nun Kakudha der Himmelssohn zum ehrwürdigen Mahā-Mogallāna also:

„In Devadatta, o Ehrwürdiger, ist der Wunsch aufgestiegen, selber die Mönchsgemeinde zu leiten. Gleichzeitig mit dem Aufsteigen dieses Gedankens aber hat Devadatta seine magischen Fähigkeiten verloren.“

Also sprach Kakudha der Himmelssohn. Nach diesen Worten begrüßte er den ehrwürdigen Mahā-Moggallāna ehrerbietig und, ihm die Rechte zukehrend, verschwand er von jenem Platze. Der ehrwürdige Mahā-Moggallāna aber begab sich zum Erhabenen (und berichtete ihm, was sich zugetragen hatte).

(Und der Erhabene sprach:) „Wie ist es, Moggallāna? Hast du wohl im Geiste die Gedanken Kakudhas des Himmelssohnes durchschaut und erkannt, daß, was er da sagt, sich alles so verhält und nicht anders?“

„Durchschaut habe ich, o Herr, im Geiste die Gedanken Kakudhas des Himmelssohnes und ich habe erkannt, daß, was er sagte, sich alles so verhält und nicht anders.“

„Bewahre diese Worte, Moggallāna! Bewahre diese Worte, Moggallāna! Denn gar bald wird jener nichtswürdige Mensch sich selber verraten.

Fünf Meister, Moggallāna, sind in der Welt anzutreffen. Welche fünf?

Da, Moggallāna, behauptet ein Meister, obwohl von unlauterem Wandel: ‚Einen lauteren Wandel führe ich, lauter ist mein Sittenwandel, rein und unbefleckt.‘ Seine Jünger aber wissen: ‚Obwohl unser Herr Meister nicht lauter ist in seinem Wandel, so behauptet er doch, es zu sein. Wenn wir dies aber den Hausleuten mitteilten, so wäre das nicht angenehm für ihn. Wie aber können wir ihm antun, was für ihn unangenehm ist? Man beehrt ihn mit Gewand, Almosenspeise, Lagerstatt und den nötigen Heilmitteln und Arzneien. Durch das, was er selber tut, wird er sich schon selber verraten!‘ Einen solchen Meister aber, Moggallāna, nehmen die Jünger wegen seines Sittenwandels in Schutz, und auch er erwartet es von seinen Jüngern, daß sie ihn wegen seines Sittenwandels schützen.

Ferner, Moggallāna, behauptet da ein Meister, obwohl von unlauterem Lebenserwerb, daß sein Lebenserwerb lauter sei; obwohl er eine Lehre darlegt, die nicht lauter ist, behauptet er, daß er lautere Lehre darlegt; obwohl er Erläuterungen gibt, die nicht klar sind, behauptet er, daß er klare Erläuterungen gibt; obwohl er einen ungeläuterten Erkenntnisblick besitzt, behauptet er, daß sein Erkenntnisblick lauter sei, rein und unbefleckt. Seine Jünger aber wissen: ‚Obwohl unser Herr Meister nicht lauter ist in all dem, behauptet er doch, es zu sein. Wenn wir dies aber den Hausleuten mitteilten, so wäre das nicht angenehm für ihn. Wie aber können wir ihm antun, was für ihn unangenehm ist? Man beehrt ihn mit Gewand, Almosenspeise, Lagerstatt und den nötigen Heilmitteln und Arzneien. Durch das, was er selber tut, wird er sich schon selber verraten!‘ Einen solchen Meister aber, Moggallāna, nehmen die Jünger wegen all dieser Dinge in Schutz, und auch er erwartet es von seinen Jüngern, daß sie ihn deshalb schützen. Diese fünf Meister, Moggallāna, sind in der Welt anzutreffen.

Ich aber, Moggallāna, der ich lauter in meinem Wandel bin, behaupte: ‚Einen lauteren Wandel führe ich, lauter ist mein Sittenwandel, rein und unbefleckt.‘ Nicht nehmen mich meine Jünger wegen meines Sittenwandels in Schutz, und auch ich erwarte nicht von meinen Jüngern, daß sie mich wegen meines Sittenwandels schützen.

Ferner, Mogallāna, behaupte ich, der ich einen lauteren Lebenserwerb habe, daß mein Lebenserwerb lauter ist; ich, der ich eine lautere Lehre darlege, behaupte, daß meine Lehre lauter ist; ich, der ich klare Erläuterungen gebe, behaupte, daß meine Erläuterungen klar sind; ich, der ich einen lauteren Erkenntnisblick besitze, behaupte, daß mein Erkenntnisblick lauter ist. Nicht nehmen mich meine Jünger wegen all dieser Dinge in Schutz, und auch ich erwarte nicht von meinen Jüngern, daß sie mich dieserhalb in Schutz nehmen.

(Jeder einzelne in diesem Abschnitt genannte Fall ist im Original in allen Einzelheiten ebenso ausgeführt, wie im vorhergehenden Abschnitt.)