Aṅguttara Nikāya
Das Achter-Buch
2. Entfaltung der Weisheit
Acht Umstände und Bedingungen, ihr Mönche, führen zur Erlangung der noch unerlangten, dem urheiligen Wandel eigenen Weisheit und zu der erlangten Weisheit Erweiterung, Ausdehnung, Entfaltung und Vollendung. Welche acht?
Da, ihr Mönche, lebt ein Mönch in der Nähe des Meisters oder eines verehrungswürdigen Ordensbruders, und er ist von äußerster Schamhaftigkeit und sittlicher Scheu, von Liebe und Achtung erfüllt. Das, ihr Mönche, ist der erste Umstand, die erste Bedingung zur Erlangung der bisher noch unerlangten, dem urheiligen Wandel eigenen Weisheit und zu der erlangten Weisheit Erweiterung, Ausdehnung, Entfaltung und Vollendung.
Während er aber in der Nähe des Meisters oder eines verehrungswürdigen Ordensbruders weilt und dabei von äußerster Schamhaftigkeit und sittlicher Scheu, von Liebe und Achtung erfüllt ist, da begibt er sich zu ihnen von Zeit zu Zeit und befragt sie, ersucht sie um Aufklärung: ‚Wie ist dies, o Ehrwürdiger? Wie hat man dies zu verstehen?‘ Und jene Ehrwürdigen enthüllen ihm das Unverstandene, erklären ihm das Unklare und lösen in mancherlei zweifelhaften Punkten seine Zweifel. Das, ihr Mönche, ist der zweite Umstand...
Nachdem er aber die Lehre vernommen hat, erfüllt er sie durch zweifache Absonderung: durch körperliche Absonderung und durch geistige Absonderung. Das, ihr Mönche, ist der dritte Umstand...
Er ist sittenrein, befolgt die Ordenssatzung, ist vollkommen in Wandel und Umgang und, vor dem kleinsten Vergehen zurückschreckend, schult er sich in den Übungsregeln, die er auf sich genommen. Das, ihr Mönche, ist der vierte Umstand...
Er ist wissensreich, ein Bewahrer des Wissens, hat sich große Kenntnisse angesammelt; und jene Lehren, die im Anfang vorzüglich sind, in der Mitte vorzüglich und am Ende vorzüglich, die in vollendetem Sinn und Ausdruck ein ganz vollkommenes und geläutertes Reinheitsleben verkünden, diese Lehren hat er sich häufig angehört, sich eingeprägt, hat sie im Wortlaut gelernt, im Geiste erwogen und sie weise verstanden. Das, ihr Mönche, ist der fünfte Umstand...
Er setzt seine Willenskraft ein, um die unheilsamen Dinge zu überwinden und die heilsamen Dinge zu erwecken; er ist standhaft, von gestählter Kraft, nicht nachlässig im Guten. Das, ihr Mönche, ist der sechste Umstand...
Befindet er sich innerhalb der Mönchsgemeinde, so führt er nicht allerhand niedrige Gespräche, sondern er trägt entweder selber die Lehre vor oder ersucht einen anderen darum, auch verschmäht er nicht das edle Schweigen. Das, ihr Mönche, ist der siebente Umstand...
Bei den die Objekte des Anhaftens bildenden fünf Daseinsgruppen (pañc‘upādānakkhandha) weilt er in der Betrachtung ihres Entstehens und Vergehens: ‚So ist die Körperlichkeit, so entsteht sie, so löst sie sich auf; so ist das Gefühl, so entsteht es, so löst es sich auf; so ist die Wahrnehmung, so entsteht sie, so löst sie sich auf; so sind die Geistesformationen, so entstehen sie, so lösen sie sich auf; so ist das Bewußtsein, so entsteht es, so löst es sich auf.‘ Das, ihr Mönche, ist der achte Umstand, die achte Bedingung zur Erlangung der bisher noch unerlangten, dem urheiligen Wandel eigenen Weisheit und zu der erlangten Weisheit Erweiterung, Ausdehnung, Entfaltung und Vollendung.
Seine Ordensbrüder aber erweisen ihm Achtung, da sie sich sagen: ‚Dieser Ehrwürdige lebt da in der Nähe des Meisters oder eines ehrwürdigen Ordensbruders und dabei ist er von äußerster Schamhaftigkeit und sittlicher Scheu, von Liebe und Achtung erfüllt. Sicherlich versteht der Ehrwürdige das zu Verstehende, erkennt das zu Erkennende.‘ Dieser Umstand aber führt zur Freundschaft, Achtung und Ehrfurcht, zur Eintracht und Einigkeit.
(Und seine Ordensbrüder sagen sich ferner:) ‚Während dieser Ehrwürdige in der Nähe des Meisters oder eines verehrungswürdigen Ordensbruders weilt, begibt er sich von Zeit zu Zeit zu ihnen, befragt sie, ersucht sie um Aufklärung. Nachdem er die Lehre vernommen hat, erfüllte er sie durch zweifache Absonderung: durch körperliche und durch geistige. Er ist sittenrein und befolgt die Ordenssatzung. Er ist wissensreich, ein Bewahrer des Wissens. Er ist voller Willenskraft. Befindet er sich inmitten der Mönchsgemeinde, so führt er nicht allerhand niedrige Gespräche. Bei den fünf die Objekte des Anhaftens bildenden Daseinsgruppen weilt er in der Betrachtung ihres Entstehens und Vergehens. Sicherlich versteht der Ehrwürdige das zu Verstehende, erkennt das zu Erkennende.‘ Diese Umstände aber führen zur Freundschaft, Achtung und Ehrfurcht, zur Eintracht und Einigkeit.
Diese acht Umstände und Bedingungen, ihr Mönche, führen zur Erlangung der noch unerlangten, dem urheiligen Wandel eigenen Weisheit und zu der erlangten Weisheit Erweiterung, Ausdehnung, Entfaltung und Vollendung.