Aṅguttara Nikāya
Das Achter-Buch
10. Das Unkraut
Einst weilte der Erhabene bei Campā, am Ufer des Gaggarā-Teiches. Damals nun wiesen die Mönche einen Mönch wegen eines Vergehens zurecht. Von den Mönchen wegen seines Vergehens zurechtgewiesen, schweifte aber jener von einem Gegenstand auf den anderen ab, lenkte das Gespräch auf unzugehörige Dinge und legte Zorn, Groll und Mißtrauen an den Tag. Und der Erhabene sprach zu den Mönchen:
„Jaget diesen Menschen fort, ihr Mönche, verstoßet ihn! Fortzuweisen, ihr Mönche, hat man einen solchen Menschen! Wie darf wohl jener Bursche (paraputto; wtl: Sohn anderer, d.i. ein Unzugehöriger) euch beleidigen?
Da, ihr Mönche, erscheint einer beim Gehen, Kommen, Hinblicken, Wegblicken, beim Beugen und Strecken der Glieder und beim Tragen von Gewand und Almosenschale genauso wie die anderen guten Mönche, solange eben die anderen Mönche sein Vergehen nicht bemerken. Sobald aber die Mönche sein Vergehen bemerken, da wissen sie von ihm, daß er den Asketen Schande bereitet, daß er wie Spreu ist unter den Asketen, wie Abfall. Ihn als solchen erkennend, stoßen sie ihn aus. Und warum? Damit er die anderen guten Mönche nicht verderbe.
Angenommen, ihr Mönche, es entstünde da in einem reifen Gerstenfelde ein verderbliches, schädliches Unkraut, dessen Wurzeln, Halme und Blätter aussähen wie die der übrigen guten Gerste, solange sich eben die Ähre noch nicht gebildet hat. Sobald sich aber seine Ähre bildet, da merkt man, daß es ein verderbliches, schädliches Unkraut ist; und dies merkend, reißt man es mit der Wurzel aus und wirft es außerhalb des Gerstenfeldes. Und warum? Damit es eben die andere gute Gerste nicht verderbe.
Oder wenn da, ihr Mönche, ein großer Haufen Korn gesichtet wird, so bilden die harten, gehaltvollen Körner auf der einen Seite einen Haufen, während der Wind die dürren Körner und die Spreu auf die andere Seite weht; und die Eigentümer kehren sie dann noch weiter weg. Und warum? Damit sie eben die anderen guten Körner nicht verunreinigen.
Oder angenommen, ihr Mönche, ein Mann wollte eine Wasserleitung herrichten. Er geht daher, mit einer scharfen Axt versehen, in den Wald. Von allen Bäumen aber, die er mit dem Axtrücken anschlägt, geben die festen, kernigen Bäume einen starken Klang; diejenigen Bäume aber, die innen faul, morsch und verdorben sind, geben einen ganz hohlen Klang. Diese nun fällt er an der Wurzel, schneidet ihre Kronen ab, höhlt die Stämme innen sauber aus und stellt damit die Wasserleitung her.
Ebenso auch, ihr Mönche, erscheint einer beim Gehen, Kommen, Hinblicken, Wegblicken, beim Beugen und Strecken der Glieder und beim Tragen von Gewand und Almosenschale genauso wie die anderen guten Mönche, solange eben die anderen Mönche sein Vergehen nicht bemerken. Sobald aber die Mönche sein Vergehen bemerken, da wissen sie von ihm, daß er den Asketen Schande bereitet, daß er wie Spreu ist unter den Asketen, wie Abfall. Ihn als solchen erkennend, stoßen sie ihn aus. Und warum? Damit er die anderen guten Mönche nicht verderbe.“
„Im Umgang möget ihr erfahren,
ob er voll Haß und Habsucht ist,
ein Heuchler, Starrkopf, Eiferer,
voll Neid und Geiz und Hinterlist.Zwar unter Leuten redet er
gar milde wie ein wahrer Mönch,
doch heimlich übt er böse Tat,
respektlos, falscher Ansicht hold;Ein unaufricht‘ger und verlog‘ner Mensch.
wen ihr als so geartet kennt,
so tut euch alle da zusammen
und jaget diesen Menschen fort!Das Unkraut reißet völlig aus!
Fegt weit den Unrat von euch fort!
Beiseite blaset diese Spreu:
Den Nichtmönch, der als Mönch sich dünkt!Die Schlechtgesinnten weiset fort,
die schlechtem Wandel zugetan!
Selbst rein, sollt mit den Reinen ihr
gemeinsam leben, klar bewußt.
In Eintracht mögt ihr weise dann
ein Ende machen allem Leid.“