Aṅguttara Nikāya

Das Zehner-Buch

119. Die edle Reinigung

Es war an einem Fasttage (Uposatha), da stand der Brahmane Jānussoni mit gewaschenem Haupte und in ein frisches Paar von Leinengewändern gekleidet, mit einer Handvoll feuchten Kusagrases, unweit vom Erhabenen an der Wegseite. Der Erhabene erblickte ihn und sprach:

„Was stehst du da, Brahmane, am heutigen Fasttage, gebadeten Hauptes, in ein frisches Gewänderpaar gekleidet, mit einer Handvoll Kusagras, an der Wegseite? Was findet denn heute in der Brahmanenkaste statt?“

„Reinigung (paccorohanī, wtl: das Wiederhinabsteigen; ein brahmanisches Fest) übt heute die Brahmanenkaste, Herr Gotama.“

„Wie, Brahmane, vollzieht sich denn die Reinigung bei den Brahmanen?“

„Heute, am Fasttage, Herr Gotama, bestreichen die Brahmanen, gebadeten Hauptes und in ein frisches Paar Leinengewänder gekleidet, den Boden mit frischem Kuhdünger, bedecken ihn darauf mit frischem Kusagrase und bereiten ihr Lager zwischen dem Sand und der Feuerstätte. Dreimal erheben sie sich des Nachts und verehren erhobenen Händen das Feuer, dabei sprechend: ‚Wir reinigen dich, Ehrwürdiger! Wir reinigen dich, Ehrwürdiger!‘ Und sie speisen das Feuer reichlich mit Butteröl, Sesamöl und Butter. Nach Verlauf der Nacht aber bewirten sie die Priester mit auserlesenen harten und weichen Speisen. So, Herr Gotama, vollzieht sich die Reinigung bei den Brahmanen.“

„Anders freilich, Brahmane, vollzieht sich die Reinigung bei den Brahmanen, anders aber in der Disziplin des Edlen.“

„Wie denn, Herr Gotama, vollzieht sich die Reinigung in der Disziplin des Edlen? Möge mir doch der Herr Gotama die Lehre darlegen, wie sich in der Disziplin des Edlen die Reinigung vollzieht!“

„So höre denn, Brahmane, und achte wohl auf meine Worte!“

„Ja, o Herr“, erwiderte der Brahmane Jānussoni, und der Erhabene sprach:

„Da, Brahmane, überlegt der edle Jünger also bei sich:

  • ‚Verkehrter Ansicht ist ein übles Ergebnis beschieden, gegenwärtig und in künftigem Dasein.‘ So überlegend, gibt er verkehrte Ansicht auf, reinigt sich von verkehrter Ansicht.
  • Er überlegt bei sich: Verkehrter Gesinnung
  • —verkehrter Rede
  • —verkehrter Handlungsweise
  • —verkehrtem Lebensunterhalt
  • —verkehrtem Streben
  • —verkehrter Achtsamkeit
  • —verkehrter Sammlung
  • —verkehrtem Wissen
  • —verkehrter Befreiung ist ein übles Ergebnis beschieden, gegenwärtig und in künftigem Dasein. So überlegend, gibt er verkehrte Befreiung auf, reinigt sich von verkehrter Befreiung.

So, Brahmane, vollzieht die Reinigung in der Disziplin des Edlen.“

„Anders freilich, Herr Gotama, vollzieht sich die Reinigung bei den Brahmanen, anders in der Disziplin des Edlen. Von dieser Reinigung in der Disziplin des Edlen die Reinigung der Brahmanen auch nicht den sechzehnten Teil wert. Vortrefflich, Herr Gotama! Vortrefflich, Herr Gotama! Ich nehme meine Zuflucht zum Herrn Gotama, zur Lehre und zur Mönchsgemeinde. Möge mich der Herr Gotama als Anhänger betrachten, der von heute ab zeitlebens Zuflucht genommen hat.“