Saṃyutta Nikaya 22

Die Daseinsgruppen

88. Assaji

So habe ich gehört. Einst weilte der Erhabene zu Rājagaha, im Bambus-Hain, am Fütterungsplatz der Eichhörnchen.

Damals nun befand sich der Ehrwürdige Assaji krank, leidend, von schwerer Krankheit befallen im Kassapaka-Kloster.

Und der Ehrwürdige Assaji sprach zu den ihm aufwartenden Mönchen: „Geht, o Brüder! Begebt euch zum Erhabenen und, euer Haupt zu seinen Füßen, bringt ihm in meinem Namen Verehrung dar und sprecht: ‚Assaji, der Mönch, o Herr, ist krank, leidend, von schwerer Krankheit befallen. Mit seinem Haupt zu Füßen des Erhabenen bringt er dem Erhabenen Verehrung dar.‘ Und dies noch mögt ihr sprechen: ‚Gut wäre es, o Herr, wenn sich der Erhabene zum Mönch Assaji begeben möchte, durch Mitleid bewogen.‘“

„Ja, o Bruder“, antworteten jene Mönche dem Ehrwürdigen Assaji, begaben sich zum Erhabenen, begrüßten ihn ehrerbietig und setzten sich zur Seite nieder.

Seitwärts sitzend sprachen jene Mönche zum Erhabenen: „Assaji, der Mönch, o Herr, ist krank, leidend, von schwerer Krankheit befallen. Mit seinem Haupt zu Füßen des Erhabenen bringt er dem Erhabenen Verehrung dar. Und dies noch spricht er: ‚Gut wäre es, o Herr, wenn sich der Erhabene zum Mönch Assaji begeben würde, durch Mitleid bewogen..‘ Schweigend gab der Erhabene seine Zustimmung.

Und der Erhabene kleidete sich an, nahm Gewand und Schale und begab sich zum Ehrwürdigen Assaji.

Der Ehrwürdige Assaji nun sah den Erhabenen von weitem herankommen und richtete sich in seinem Bette auf.

Der Erhabene aber sprach zum Ehrwürdigen Assaji: „Laß es gut sein, o Assaji, richte dich nicht in deinem Bette auf. Da sind vorbereitete Sitze, dort will ich mich niedersetzen.“ Und der Erhabene setzte sich auf einem vorbereiteten Sitze nieder.

Nachdem er sich niedergesetzt hatte, sprach der Erhabene zum Ehrwürdigen Assaji also: „Geht es dir erträglich, o Assaji, geht es zufrieden stellend? Nehmen die Schmerzen ab und nicht zu; ist ein Abnehmen zu merken, nicht ein Zunehmen?“—„Nicht geht es mir erträglich, o Herr, nicht geht es zufrieden stellend; heftig sind meine Schmerzen, sie nehmen zu, nicht nehmen sie ab. Ein Zunehmen ist bemerkbar, nicht ein Abnehmen.“

„Hast du nicht, o Assaji, irgendeine Gewissensunruhe, irgendein Bedauern?“—„Wahrlich, o Herr, nicht geringe Gewissensunruhe habe ich, nicht geringes Bedauern!‘‘

„Hast du dich etwa, o Assaji, selber zu tadeln hinsichtlich deiner Sittlichkeit?“—„Nicht habe ich mich, o Herr, zu tadeln hinsichtlich meiner Sittlichkeit.“

„Wenn du dich, o Assaji, nicht selber zu tadeln hast hinsichtlich deiner Sittlichkeit, was ist dann deine Gewissensunruhe, welches ist dein Bedauern?“—„Früher, o Herr, weilte ich, die Krankheit beruhigend, die körperlichen Gestaltungen beruhigend. Diese Sammlung erreiche ich jetzt nicht mehr. Sie nicht erreichend denke ich: ‚Sollte ich nicht einen Rückschritt gemacht haben?‘“

„Wenn jene Asketen und Brahmanen, o Assaji, denen die Sammlung der Kern, die Sammlung die Hauptsache ist, diese Sammlung nicht erreichen, dann denken sie: ‚Sollten wir einen Rückschritt gemacht haben?‘

Was meinst du, Assaji, ist die Körperlichkeit unvergänglich oder vergänglich?“—„Vergänglich, o Herr.“—„Was aber vergänglich ist, ist das leidig oder freudig?“—„Leidig, o Herr.“—„Was nun vergänglich, leidig, wandelbar ist, kann man dies mit Recht so ansehen: ‚Dies ist mein, das bin ich, das ist mein Selbst‘?“—„Gewiß nicht, o Herr.“

„Sind Gefühl—Wahrnehmung—Gestaltungen—Bewußtsein unvergänglich oder vergänglich?“—„Vergänglich, o Herr.“—„Was aber vergänglich ist, ist das leidig oder freudig?“—„Leidig, o Herr.“—„Was nun vergänglich, leidig, wandelbar ist, kann man dies mit Recht so ansehen: ‚Dies ist mein, das bin ich, das ist mein Selbst‘?“—„Gewiß nicht, o Herr.“

„Daher, o Assaji: was es irgend an Körperlichkeit gibt—an Gefühl—an Wahrnehmung—an Gestaltungen—an Bewußtsein gibt, sei es vergangen, künftig oder gegenwärtig, eigen oder fremd, grob oder fein, gewöhnlich oder edel, fern oder nahe—von jeder Körperlichkeit—jedem Gefühl—jeder Wahrnehmung—allen Gestaltungen—jedem Bewußtsein gilt: ‚Dies ist nicht mein, das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst!‘ So hat man dies der Wirklichkeit gemäß mit rechter Weisheit zu betrachten.

So erkennend, o Mönche, wendet sich der erfahrene, edle Jünger von der Körperlichkeit ab, er wendet sich ab vom Gefühl, er wendet sich ab von der Wahrnehmung, er wendet sich ab von den Gestaltungen, er wendet sich ab vom Bewußtsein. Abgewandt wird er entsüchtet. Durch die Entsüchtung wird er befreit. Im Befreiten ist die Erkenntnis: ‚Befreit bin ich. Versiegt ist die Geburt, vollendet der Heilige Wandel, getan das Werk, nichts Weiteres nach diesem hier‘—so erkennt er.“

Wenn er ein freudiges Gefühl empfindet, so weiß er: ‚Vergänglich ist es.‘ er weiß: ‚Es haftet nicht.‘ er weiß: ‚Nicht wird dabei Genuß empfunden.‘ Wenn er ein leidvolles Gefühl—ein weder freudiges noch leidvolles Gefühl empfindet, so weiß er: ‚Vergänglich ist es.‘ er weiß: ‚Es haftet nicht.‘ er weiß: ‚Nicht wird dabei Genuß empfunden‘.

Wenn er ein freudiges Gefühl empfindet, so empfindet er es ungefesselt. Wenn er ein leidvolles Gefühl empfindet, so empfindet er es ungefesselt. Wenn er ein weder freudiges noch leidvolles Gefühl empfindet, so empfindet er es ungefesselt.

(Gleichwie etwa, Assaji, das Öl und der Docht eine Öllampe leuchten lassen; wenn aber Öl und Docht verbraucht sind und neue Nahrung nicht zugeführt wird, sie ohne Nahrung erlischt: ebenso nun auch, Assaji, erkennt der Mönch,)

Ein körpergefährdendes Gefühl empfindend weiß er: ‚Ein körpergefährdendes Gefühl empfinde ich.‘ Ein lebensgefährdendes Gefühl empfindend weiß er: ‚Ein lebensgefährdendes Gefühl empfinde ich.‘—‚Nach dem Zerfall des Körpers, nach dem Ende des Lebens werden hier alle Gefühle, an denen man keinen Genuß empfindet, zur Stillung gelangen.‘ so weiß er.“