Aṅguttara Nikāya
Das Elfer-Buch
7. Losgelöste Wahrnehmung
I
Der ehrwürdige Ānanda sprach zum Erhabenen also:
„Mag wohl, o Herr, der Mönch eine solche Sammlung erreichen,
- daß er angesichts der Erde ohne Wahrnehmung der Erde ist,
- daß er angesichts des Wassers ohne Wahrnehmung des Wassers ist,
- daß er angesichts des Feuers ohne Wahrnehmung des Feuers ist,
- daß er angesichts des Windes ohne Wahrnehmung des Windes ist,
- daß er angesichts des Gebietes der Raumunendlichkeit ohne Wahrnehmung des Gebietes der Raumunendlichkeit ist,
- daß er angesichts des Gebietes der Bewußtseinsunendlichkeit ohne Wahrnehmung des Gebietes der Bewußtseinsunendlichkeit ist,
- daß er angesichts des Gebietes der Nichtsheit ohne Wahrnehmung des Gebietes der Nichtsheit ist,
- daß angesichts des Gebietes der Weder-Wahrnehmung-noch-Nichtwahrnehmung ohne Wahrnehmung des Gebietes der Weder-Wahrnehmung-noch-Nichtwahrnehmung ist,
- daß er angesichts dieser Welt ohne Wahrnehmung dieser Welt ist,
- daß er angesichts jener Welt ohne Wahrnehmung jener Welt ist,
- daß er angesichts dessen, was er gesehen, gehört, empfunden, erkannt, erreicht, gesucht, im Geiste erforscht hat, auch dabei ohne Wahrnehmung ist,
und daß er dennoch Wahrnehmung besitzt?“
„Ja, Ānanda, wohl mag der Mönch eine solche Sammlung erreichen.“
„Wie aber, o Herr, mag der Mönch eine solche Sammlung erreichen?“
„Da, Ānanda, hat der Mönch diese Wahrnehmung:
- ‚Das ist der Friede,
- das ist das Erhabene,
- nämlich der Stillstand aller karmischen Bildekräfte,
- die Loslösung von allen Daseinsgrundlagen,
- die Versiegung des Begehrens,
- die Entsüchtung,
- Erlöschung,
- Nibbāna.‘
So, Ānanda, mag der Mönch eine solche Sammlung erreichen, daß er angesichts der Erde ohne Wahrnehmung der Erde ist... daß er angesichts dessen, was er gesehen, gehört, empfunden, erkannt, erreicht, gesucht, im Geiste erforscht hat, daß er auch dabei ohne Wahrnehmung ist, und daß er trotzdem Wahrnehmung besitzt.“
II
Und nachdem der ehrwürdige Ānanda den Worten des Erhabenen erfreut seinen Beifall gespendet hatte, erhob er sich von seinem Sitze, verehrte den Erhabenen ehrerbietig, und, ihm die Rechte zukehrend, entfernte er sich und begab sich zum ehrwürdigen Sāriputta. Bei ihm angelangt... sprach er zum ehrwürdigen Sāriputta also: „Mag wohl, Bruder Sāriputta, der Mönch eine solche Sammlung erreichen, daß er angesichts der Erde ohne Wahrnehmung der Erde ist...
Es folgen nun die gleichen Fragen und Antworten wie im ersten Abschnitt dieses Textes. Der Schluß lautet wie folgt:
„Wunderbar ist es doch, o Bruder, erstaunlich ist es, o Bruder, wie da hinsichtlich des höchsten Zieles (aggapada; wtl: die höchste Stätte, d.i. Nibbāna) die Auslegung und der Wortlaut des Meisters mit der Auslegung und dem Wortlaut seines Jüngers übereinstimmt, sich deckt und nicht widerspricht. Ich habe mich nämlich soeben, o Bruder, zum Erhabenen hinbegeben und ihn um diese Sache befragt. Und der Erhabene hat mir diese Sache in denselben Worten und Ausdrücken erklärt wie der ehrwürdige Sāriputta. Wunderbar ist es, o Bruder, erstaunlich ist es, o Bruder, wie da hinsichtlich des höchsten Zieles die Auslegung und der Wortlaut des Meisters mit der Auslegung und dem Wortlaut seines Jüngers übereinstimmt, sich deckt und nicht widerspricht.“